Kreuzweg

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Der Inhalt
700 Jahre Geschichte des Kreuzweges – und doch kristallisiert sich von Anbeginn ein Anliegen heraus: Mit Jesus den Leidensweg zu gehen und zu erkennen, dass Er gleichsam genauso unseren Leidensweg mitgeht.

Die Konzilsväter des II. Vatikanischen Konzils schreiben (dei verbum): „Gott hat in seiner Güte und Weisheit beschlossen, sich selbst zu offenbaren… dass die Menschen durch Christus im Heiligen Geist Zugang zum Vater haben und teilhaftig werden der göttlichen Natur. In dieser Offenbarung redet der unsichtbare Gott aus überströmender Liebe die Menschen an wie Freunde und verkehrt mit ihnen, um sie in seine Gemeinschaft einzuladen und aufzunehmen.
Das Offenbarungsgeschehen ereignet sich in Tat und Wort“.


Wenn wir – als Christen, als Gläubige – über diesen Kreuzweg reden, dann reden wir über Offenbarung, und hoffentlich können wir es so, wie es die Konzilsväter verstanden.
Offenbarung bedeutet für sie nicht: ein fordernder Gott teilt Instruktionen und moralische Appelle mit;
sondern sie verstehen Offenbarung als dialogisches Geschehen:
Gott teilt sich mit. Hier geht es um Beziehung, um Kommunikation, um einen Prozess.
Hier kommt uns Gott in unserem Leben entgegen.

Gott offenbart sich in jeder Form von Liturgie – beginnend beim einfachen Gebet bis hin zur Messe. Liturgie heißt immer Eintauchen in die Heilsgeschichte- Vergegenwärtigung, Aggiornamento. Verheutigung.
Es gibt in unserem Liturgieverständnis keine erste Reihe: Die Jünger, die Apostel, die Menschen, die Christus kennenlernen konnten, hatten nicht etwa die Gnade der frühen Geburt. Und zu ihrer Zeit war das Heil nicht frischer, intensiver, wirksamer, als heute.

Gottes Heilsplan gilt für alle Menschen und das über die Zeiten hinweg.
Und vor allem: Gottes Heilsplan gilt ganz persönlich.

Das eben meint Offenbarung, in dem Sinne, dass Gott sich ganz persönlich in meinem Leben, in meinem Leid, in meiner Freude mitteilt und in einen Dialog tritt.
Und das meint Liturgie, in dem Sinne, dass sie den Rahmen dafür schafft.

Es geht also um zwei Bewegungen: Ich tauche ein in ein liturgisches Geschehen – beispielsweise, das betende Betrachten des Kreuzweges.
Und Gott kommt mir darin entgegen, offenbart sich mir, tritt in einen Dialog mit mir:
im leidenden Christus, aber auch in der Vergegenwärtigung meines eigenen Kreuzweges.
In der Verwandlung meines Leids, in der Offenbarung seines Heiles.

„So begehen Christen den Kreuzweg“ heißt es in einer Beschreibung, „auf eine Weise, als ob sie Jesus in den Straßen Jerusalems folgen würden, indem sie an jeder Station meditierten und beteten, aber auch als ob Gott selber ihren eigenen Kreuzweg mitgeht.
So lässt sich der eigene, mitunter leidvollen Lebensweg als eine Form der Christusnachfolge begreifen“.