Kreuzweg

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Die Zahl der Stationen
Sieben:
Die ursprüngliche Zahl der Stationen ist sieben. Die oben beschriebene Passionsmystik betonte das Mitleiden mit Jesus und suchte nach biblisch-theologischen oder spirituellen Vorgaben. Sie knüpfte an der Siebenzahl der kanonischen Horen (Stundengebetszeiten) der Kartage mit Stationen der Passion Jesu an (Matutin, Laudes, Non, Sext, Terz, Vesper, Komplet), sah sich bestätigt in der Siebenzahl der römischen Stationskirchen Roms.

Der von Adolph Kolping erwähnte Brauch, bei einer Pilgerfahrt nach Rom auch die "sieben Hauptkirchen" zu besuchen, ist bereits uralt. Seine Wiederbelebung im 16. Jahrhundert verdankt diese Sitte dem Vorbild des heiligen Philipp Neri. Dieser bedeutende Heilige der Katholischen Reform lebte von 1515 bis 1595 und widmete sich - neben vielem anderem - der Erneuerung des religiösen Lebens in der Ewigen Stadt, in die er 1533 aus seiner Geburtsstadt Florenz zog. "Durch seine Lebensfreude und Güte gewann Philipp, den die Römer liebevoll "Pippo buono" nannten, das Vertrauen von Menschen aller gesellschaftlichen Schichten. Nicht nur seine witzigen Bemerkungen und Lieder, sondern vor allem seine spirituellen Gedanken fanden im Volk Verbreitung. (...) ließ Philipp Neri viele Menschen die Freude an Gott und der Schöpfung wiedererkennen."

Im deutschen Sprachgebiet ist diese Variante mit sieben Stationen bis heute in der ähnlichen Gebetstradition der „sieben Fußfällen“ verbreitet. Die ältesten Darstellungen von Fußfällen (Bildstöcke) gehen bis ins späte 15. Jh. zurück.


Vierzehn:
Seit 1600 erweitert sich die Zahl der Stationen auf 14 bebilderte Stationen, kreiert durch die Franziskaner und auch verbreitet durch sie in Volksmissionen und Barockpredigten. Letztlich wurde die 14er Zahl 1731 durch Papst Clemens XII. kanonisiert, also durch Rom festgelegt. Er ließ selbst durch die Franziskaner im Kolosseum einen Kreuzweg mit 14 Stationen anlegen. Seit 1975 betet der Papst Karfreitag den Kreuzweg hier.

Zugleich verlagerte sich die Andachtsform von nun an in die Kirchen, zunächst beschränkt auf Kirchen des Franziskanerordens, wegen der großen Beliebtheit gab es bald kaum eine römisch-katholische Pfarrkirche ohne Kreuzweg.
Schon seit dem 18. Jh. gesellt sich auch eine 15. Station hinzu, jedoch mit unterschiedlichen Motiven. Es gibt die Tradition hier die Grabes- (Auferstehungs-) Kirche von Jerusalem darzustellen- in manchen Barockkirchen in Süddeutschland erscheint als 15. Station die Kreuzauffindung durch die Kaiserin Helena.
Seit zweite Hälfte des 20. Jh setzt sich die Darstellung der Auferstehung Jesu durch (in der Regel das leere Grab): vielleicht als Reflexion auf die Liturgiereform des II. Vatikanischen Konzils. Es betont das Triduum: Leiden, Tod und Auferstehung Jesu;
aus diesem Verständnis kommend feiert die Kirche Gründonnerstag bis zur Osternacht als eine Feier, einen Tag.
„Sind wir nun mit Christus gestorben“, schreibt der Heilige Paulus, „so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden“ (Röm 6, 8). Daher ist eine 15. Station nicht die Erfindung unserer Tage sondern das ursprüngliche christliche.
Wir Christen, die auf diese Weise die Passion am Karfreitag in dieser via crucis meditieren,
wissen, dass zwei Tage später die Glocken zu Ostern läuten werden.


Als Alternative zum Kreuzweg wird die Via Lucis entwickelt, die die Auferstehung und den Auferstandenen in den Vordergrund stellt.