Infos zu den Bildern

Bilder & Gestaltung

> Kreuzweg: Alexander Stoljarov, Ikonenkreuzweg der Gemeinde St. Hubertus, Dresden. Natürliche Pigmente und Temperafarbe auf Holzgrund.

> Mandylion: Thomas Böhm.

> Heiliger Geist (Titelmotiv Infoheft): Regina Löser.

> Fotografie: David Pinter. Gestaltet vom Gestalter.

Der dem Jugendkreuzweg zugrundeliegende Kreuzweg wurde im Jahr 2011 von dem in Wuppertal lebenden Ikonenmaler Alexander Stoljarov extra für die Kirche St. Hubertus am Weißen Hirsch in Dresden geschaffen. Eine Besonderheit des Ikonenkreuzwegs ist das Fehlen der 6. Station „Veronika reicht Jesus das Schweißtuch“. Der Grund hierfür ist, dass die Station bereits seit 2008 als Tabernakel-Ikone „Das Heilige Mandylion“, den Altarraum von St. Hubertus schmückt. Diese Ikone wurde von dem Künstler Thomas Böhm der Gemeinde zum 70. Kirchweihjubiläum geschenkt. Der Kreuzweg in St. Hubertus umfasst dennoch 14 Stationen, er wurde durch die 14. Station „Hinabgestiegen in das Reich der Toten“ ergänzt. Diese Station ist auch Teil des Jugendkreuzweges ICON.

> > LINKTIPP!!! Eine Einladung aus Dresden

 

Zur Entstehung

Kleiner Abriss der Entstehungsgeschichte Pfr. Thomas Cech

(aus Thomas Cech: Der Ikonenkreuzweg der Pfarrkirche St. Hubertus in Dresden, Kreuzwegandachten – Betrachtungen – Spurensuche. Eigenverlag, Dresden 2014) 

Wer die Kreuzweg-Ikonen in St. Hubertus in ihrer genauen Reihenfolge betrachtet, der wird bei genauer Kenntnis entdecken, dass hier die 6. Station „Veronika reicht Jesus das Schweißtuch“ einfach fehlt.
Vielleicht wird es mancher befremdlich finden, dass hier einer überlieferten Tradition nicht gefolgt wird. Das erscheint jedoch nur dann als eine Eigenmächtigkeit, wenn man die genaueren Hintergründe nicht kennt.


Für diesen „Traditionsbruch“ gibt es gewichtige Gründe. Wer diese nachvollziehen kann, der versteht, dass hier nicht ein Traditionsbruch vorliegt, sondern die Wiederentdeckung einer uralten, vergessenen Tradition. 
Auslöser dafür wurde die Frage nach der Gestaltung der Tabernakeltür, als die Pfarrkirche 2007 saniert und der Altarraum neu gestaltet wurden. Mit dieser Aufgabe war der Architekt Wolfgang Löser betraut. Ursprünglich hatte er für die Gestaltung der Tabernakeltür die Kopfpartie aus dem Grabtuch von Turin vorgeschlagen. Es fügte sich so, dass ich in diesem Zeitraum auf das 2006 erschienene Buch „Das göttliche Gesicht - Die abenteuerliche Suche nach dem wahren Antlitz Jesu“ von Paul Badde gestoßen war. Zum ersten Mal wurde ich mit dem Schleier von Manoppello konfrontiert. In mir wuchs die klare Überzeugung, dass wir hier ein ebenso authentisches Tuch besitzen, wie es das Grabtuch von Turin mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ist. Es gibt jedoch einen entscheidenden Unterschied zwischen beiden Tüchern:
Während uns auf dem Turiner Grabtuch das Antlitz Jesu mit geschlossenen Augen begegnet, schaut er uns auf dem Schleier von d Manoppello mit offenen Augen an. So steht das Grabtuch viel mehr für das Leiden am Karfreitag, der Schleier dagegen mehr für den anbrechenden Ostermorgen und die Auferstehung.


Genau dieser Gegensatz bewegte mich, den ursprünglichen Vorschlag von Herrn Löser in Frage zu stellen und als Alternative eine Abbildung des Schleiers von Manoppello vorzuschlagen. Schließlich verehren wir in der Eucharistie Jesus Christus als den lebendigen und uns das Leben spendenden Leib. Schnell wurde der Vorschlag angenommen. Fraglich war zunächst nur, wie das umgesetzt werden könne. Mein Vorschlag, ein Foto vom „Volto Santo" in Manoppello auf Leinwand zu bringen, wurde schnell verworfen. An so einem herausragenden Ort wie dem Tabernakel könne nicht bloß ein Foto hängen, das muss ein künstlerisch wertvolleres Objekt sein. Sehr schnell war ein neuer Vorschlag da: Machen wir das, was man schon in der frühesten Zeit des Christentums getan hat. Damals hat man Ikonen angefertigt, die es bis auf den heutigen Tag gibt und den Namen „Das heilige Mandylion" tragen.

 

Nun wollte es die Fügung, dass ich Jahre zuvor als Kaplan von Altenburg dort in der Gemeinde einen jungen Mann kennen gelernt hatte, Thomas Böhm. Er hatte die Ikonenmalerei als seinen geistlichen Weg für sich entdeckt und mir zum Abschied die Kreuzikone von Taize geschenkt. Mit ihm nahm ich Kontakt auf, beschrieb ihm unsere Anliegen und schickte ihm das Buch von Paul Badde. Zu meiner und unser aller Freude ging er auf diesen Wunsch ein. Am Karsamstag des Jahres 2008 konnte die Ikone ihren Platz einnehmen, um in der Osternacht enthüllt und geweiht zu werden. Es war ein ergreifender Moment. Gehen wir doch wie Petrus und der Jünger, den Jesus besonders liebte, in die dunkle Kirche - das Grab Jesu - hinein, um die Auferstehungsbotschaft zu empfangen und zu glauben.

 

Die Jahre danach waren geprägt von der Suche nach einem geeigneten Kreuzweg. Vor der Sanierung schmückte die Kirche ein Provisorium. Es waren Poster mit Drucken eines Misereor Kreuzweges. Mit den Jahren waren diese vergilbt und unansehnlich geworden. Nun sollte es auch dafür etwas Dauerhaftes geben. Ein erster Anlauf, einen Kreuzweg „von der Stange“ bei einem Kirchenausstatter zu kaufen, scheiterte, so dass noch einmal neu überlegt werden musste. Es wurde beraten. Herr Löser wurde wieder hinzugezogen. Er war es, der den Anstoß dafür gab, einen Bezug zur vorhandenen Ikone zu schaffen und diesen als Ikonenkreuzweg zu gestalten. Nach einer Idee kommt die Arbeit, und diese übernahm mit Feuereifer Petrun Grafe. Sie nahm Kontakt zu einer Ordensschwester in Alexanderdorf auf, die selbst Ikonenmalerei betrieb und auch anleitete. Von dort kam ein Buch „Ver-Gegenwärtigung. Der Ikonenkreuzweg von Oerlinghausen“, das als Anregung zur Weiterarbeit diente und Mut machte, die Idee weiter zu verfolgen. Frau Grafe war es schließlich auch zu verdanken, den in Wuppertal wohnenden Ikonenmaler Alexander Stoljarov im Internet zu entdecken und den Kontakt mit ihm herzustellen. Zu unserer Freude übernahm dieser den Auftrag gern.

 

Nachdem alles auf den Weg gebracht war, stellte sich plötzlich die Frage:

  • Wie sollen wir mit der Veronika-Station des Kreuzweges umgehen?
  • Soll es dieses Tuch in unserer Kirche zweimal geben, einmal als Teil des Kreuzwegs und einmal vor dem Tabernakel?
  • Würde das nicht zu einem Widerspruch führen, der die Botschaft verdunkeln würde, die uns von dort entgegen kommt?

Es ist nicht leicht, sich gegen eine Tradition zu wenden, auch wenn man weiß, dass es die Legende von der Frau Veronika erst seit dem 12. Jahrhundert gibt. Es war ein wirkliches Ringen um die richtige Entscheidung.
In welcher Weise sie fiel, kann nun jeder vor Ort erkennen: Die traditionelle 6. Station wurde weggelassen. Trotzdem erschien es als ein Wert in sich, an den zweimal sieben Stationen festzuhalten - eine tiefe Zahlensymbolik verbirgt sich ja in diesen Zahlen (mehr dazu hier). So lag es nahe, als vierzehnte Station die Auferstehungsikone zu setzen, die ja eigentlich als Karsamstagsikone anzusehen ist. Auf dieser Weise und in Verbindung mit der Ikone vor dem Tabernakel wird die Betrachtung des Kreuzweges in St. Hubertus zu einem geistlichen Weg, zu einem Mitgehen des Kreuzweges und zu einem Hineingenommenwerden in das Erlösungsgeschehen des Karfreitags sowie zu einer Begegnung mit dem Auferstandenen.

Dieses kleine Buch soll nun eine geistliche Hilfe beim Beschreiten dieses Weges sein. Da die beiden letzten Ikonen einen besonderen Stellenwert besitzen, finden diese am Ende in zwei ausführlicheren Artikeln besondere Beachtung.