euerlicht – Jugendkreuzweg #beieuch

Der Kreuzweg führt auch durch die JVA-Bruchsal

Wir sind eine kleine Gruppe aus dem Raum Bruchsal im Landkreis Karlsruhe, welche in wechselnder Besetzung von ca. vier bis acht Personen seit über 10 Jahren jeweils einen Gottesdienst im Advent und einen Gottesdienst zu Ostern für die Inhaftierten der Justizvollzugsanstalt Bruchsal (JVA) gestalten. Einige von uns sind seit vielen Jahren fest im Team, wir freuen uns aber immer wieder auch neue Gesichter dabei zu haben. Zusammengefunden haben wir uns ursprünglich über die evangelische Bezirksjugend Karlsruhe-Land als einmalige Aktion aufgrund einer Vakanz im evangelischen Bereich der JVA.

In der JVA sind ca. 600 Gefangene untergebracht. Ein großer Teil der Gefangenen hat langjährige bis lebenslängliche Haftstrafen zu verbüßen. Dies ist auch das „Besondere“ an unseren Gottesdiensten - viele von Ihnen kommen regelmäßig und das schon seit Jahren.

Als feste Grundlage für die Gestaltung des Gottesdienstes zu Ostern dient uns der ökumenische Kreuzweg der Jugend. Der Jugendkreuzweg schafft es immer wieder durch die Einbindung von aktuellen Themen mit passenden und oft auch bewegenden Bildern die Gefangenen und uns in den Bann zu ziehen. Wir hätten bei unserem ersten Jugendkreuzweg sicherlich nicht gedacht, dass wir den Weg so oft gemeinsam zusammen „gehen“ werden und ihn doch jedes Mal neu entdecken können.

In den Vorbereitungstreffen ist uns das umfangreiche Materialheft eine große Hilfe. Zum einen um gedanklich in das jeweilige Thema des Jugendkreuzweges hineinzufinden und für die Gefangenen aufzuarbeiten. So ist zum Beispiel das Thema Mutter-Sohn-Beziehung ein sehr heikles Thema. Einige der Inhaftierten stammen aus problematischen familiären Verhältnissen, die sogar Ursache oder Auslöser für ihre Straftat gewesen sind.

Zum anderen unterstützt uns das Material auch aus ganz praktischen Gründen. Im Gegensatz zu einem Gottesdienst außerhalb des Gefängnisses, können wir aus Sicherheitsgründen keine besondere Dekorationen oder Materialien mit in die JVA bringen. Die Bilder des Jugendkreuzwegs können wir als PowerPoint-Präsentation ohne großen Aufwand mitnehmen, um den Gottesdienst zu gestalten.

Das Leben im Gefängnis läuft nach einem strikten Zeitplan ab. Der Gottesdienst beginnt sonntags um Punkt 8 Uhr und endet eine Stunde später genau um 9 Uhr. Würden wir überziehen, könnten die Gefangenen sonst nicht zu ihrem Hofgang.

Unsere Gruppe trifft sich um 7 Uhr vor dem Gefängnistor, um gemeinsam durch die Sicherheitskontrolle zu gehen. Jeder Teilnehmer unserer Gruppe muss zuvor über eine Teilnehmerliste schriftlich angemeldet worden sein und seinen Ausweis mitführen. Wenn möglich, werden wir von einem Posaunenchor unterstützt. Bis wir alle und der Posaunenchor durch die Sicherheitskontrolle gekommen sind, kann einige Zeit vergehen. Der Dekan der kath. Gefängnisseelsorge in Baden-Württemberg, Hr. Holzer, begleitet uns nach der Sicherheitskontrolle in die Kapelle der JVA.

Die JVA Bruchsal hat eine achteckige Grundform und wird im Volksmund oft „Café Achteck“ genannt. Die Kapelle befindet sich in der Kuppel des achteckigen Zentralbaus und gleicht in ihrem stufenartigen Aufbau einem Hörsaal. Das viele verbaute Holz und die schön gestalteten Glasfenster verleihen dem Raum eine warme und ruhige Atmosphäre.

Durchschnittlich besuchen ca. 20 bis 40 Gefangene unsere Gottesdienste. Die Gefangenen werden von Wachpersonal begleitet und über die verschiedenen Gefängnisflügel zur Kapelle gebracht. Am Gottesdienst dürfen nur die Inhaftierten teilnehmen, von denen keine Gefahr für uns ausgeht.

Im Anschluss an den Gottesdienst gibt es Kaffee und Hefezopf und wir haben die Möglichkeit mit dem Gefängnisseelsorger und Gefangenen, die als Bandmitglied oder Messdiener am Gottesdienst beteiligt waren, ins Gespräch zu kommen.

Fragen und Gespräche über die Straftat stehen nicht an erster Stelle, sondern die Menschen denen wir begegnen. Das ist auch gut so. In dieser Zeit sitzen wir uns einfach als Menschen gegenüber und unterhalten uns über den Gottesdienst und wir erfahren, wie der Gottesdienst auf die Teilnehmer gewirkt hat und welche Themen ansprechend waren.

Oft sitzen Männer in der Runde, denen keiner von unserer Gruppe eine Straftat zutrauen würde, die ihn für viele Jahre ins Gefängnis gebracht hat.

Wenn wir in den Nachrichten von Straftaten erfahren, sehen wir ein abschreckendes Verbrechen und das Mitgefühl für die Opfer steht an zentraler Stelle. Mit der Verurteilung des Täters und dem Verbüßen der Haftstrafe, verschwindet der Täter nicht einfach.

Es ist eine sehr bewegende Erfahrung hinter die „Mauern“ zu schauen. Immer wieder beeindruckt uns, wie viel von den Themen des Jugendkreuzwegs sich im Gefängnis wiederfindet.

Nach dem Kaffee und Hefezopf mit den Gefangenen gehen wir erfüllt von neuen Eindrücken und Anregungen in die Vorbereitungen für den nächsten Gottesdienst.

Unser Dank gilt dem Team, das jedes Jahr den Jugendkreuzweg mit aktuellen Themen aufbereitet und uns so eine große Hilfe bei der Vorbereitung ist.

Nicole Genç, Stefanie Merino

Kreuzweggottesdienst für Jugendliche in Tomsk, Nowosibirsk

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Christian Sickora, Essen

#beimir -Ökumenischer Jugendkreuzweg 2018 - Rückblick

„Deine Wege Herr tue mir kund. Deine Pfade Herr lehre mich“ so hieß es in einem Liedtext beim diesjährigen ökumenischen Jugendkreuzweg. Ungefähr 50 Jugendliche und Erwachse kamen am 14. März in der Ev. Christuskirche Essen-Kupferdreh zusammen, um den Kreuz-Weg Jesu zu folgen. Gestaltet wurde der Kreuzweg vom ökumenischen Arbeitskreis Kupferdreh.

Der Gegenwartsbezug des mit modernen und klassischen Medien gestalteten Kreuzweges ermöglichte vor allem dem jungen Publikum, bestehend aus Konfirmanden, Messdienern und der ökumenischen Jugendgruppe Kupferdreh, einen Zugang zum Thema. StreetArt-Bilder, Bibeltexte, moderne Musik, Texte aus unserem Alltag, gemeinsames Singen, Meditationen und Gebete wechselten einander ab.

Nach der Kreuzwegandacht gab es bei Tee und Gebäck noch die Möglichkeit zum gemeinsamen Gespräch. Es fand ein reger Austausch über die starken Bilder und Texte statt. Es war eine gelungene Veranstaltung, bei der jeder etwas für sich mitnehmen konnte.

Im nächsten Jahr findet die Veranstaltung wieder statt, um immer neu zu erfahren: „Du bist bei mir, Du nimmst das Kreuz für mich.“

Christian Sickora

Mittelschule Eichstätt-Schottenau

Bild Franz Bauer

Eichstätt (zba) Schülerinnen und Schüler der Mittelschule Eichstätt   Schottenau gestalteten zusammen mit Religionslehrer Andreas Neudecker den Gottesdienst für den letzten Schultag vor Ostern. Kräftig unterstützt wurde die Feier vom Schulchor, von Querflöte und einem Klarinettentrio, und den Solistinnen. Der Gottesdienst fand in der Heilig-Kreuz-Kirche, der ehemaligen Kapuzinerkirche statt.

 „Wetten, dass du dich nicht traust?“ Diese Frage stand über der Ansprache von Neudecker. Sie wird nach seinen Worten oftmals als Herausforderung gedacht, „trau dich doch!“ Diese Aufforderung spricht Jesus mit dem kurzen Wort „komm“ aus. Wer ihm vertraut, der kann sich  auf den Beistand Jesu in allen Lebenslagen verlassen. Im  Evangelium „Jesus und Petrus gehen auf dem Wasser“, das in verteilten Rollen vorgetragen wurde,  ging es um dieses Vertrauen, das im Menschen Kräfte freisetzt. Im Vertrauen, dass Jesus mit offenen Armen an der Seite der Menschen steht, baten die Schülerinnen und Schüler in den Fürbitten. Einige der Texte im Gottesdienst wurden von Schülerinnen und Schülern selbst verfasst. Dabei machten sie sich Gedanken zu einem Bild vom diesjährigen Jugendkreuzweg „#beimir“. Dieses Bild bekamen die Schüler auch am Ende des Gottesdienstes zum Mitnehmen. Es kann sie daran erinnern, dass die Einladung von Jesus „Komm!“ auch ihnen ganz persönlich gilt – und die Erinnerung „#beimir“ auf der Rückseite kann nicht nur für die Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen eine gute Unterstützung sein.

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Foto: Schulchor mit den Instrumentalisten