Interviews & Erlebnisberichte Rund um den Jugendkreuzweg

JesusArt & Sprayen in der Live- Rezeption – Ein Rückblick des Kreuzwegkünstlers Mika Springwald

Mika Springwald Web

Für mich ist Stencils zu Sprayen Psychohygiene, es ist eine Kunstform, in der Botschaft, Ästhetik und Prophetie, Protest sich vereinen. Doch den Jugendkreuzweg für JesusArt gemeinsam mit Jugendlichen gesprayt zu haben, das ist noch mal eine Dimension besonders. Als ich letztes Jahr Teil des Weges des Ökumenischen Kreuzwegs der Jugend wurde, war mir deshalb zuallererst wichtig, dass die, die ihn in ganz Deutschland kennen lernen, die ihn beten, in ihm mehr finden als eine „nette Kunstform“. Es geht mir bei den Bildern um das eigene Leben, den Alltag der Menschen, um das eigene Leid und das Leid in der Welt. Und zumindest ein Stück weit habe ich erlebt, dass es Menschen tatsächlich genau da gepackt hat.

Ich habe für den Kreuzweg JesusArt eine riesige Nachfrage nach den Bildern, nach der Kunst und nach deren Verbindung mit dem Kreuzweggeschehen erhalten. Von mehrtägigen Kreativworkshops, die in den verschiedensten Kontexten durchgeführt werden sollten, bis hin zu reinen „Ausstellungen“ des Kreuzwegs war alles dabei. In Schulen etwa wurden in mehreren Durchgängen die Stationen des Kreuzweges erarbeitet, ehe einzelne davon durch das Sprühen noch einmal ganz anders erfahrbar gemacht wurde. Egal in welchem Setting, die Jugendlichen konnten oft eigene Impulse einbauen und z.B. mit Farben experimentieren, um dann mit dem Originalmotiv die Station zu vollenden.

Für mich war es toll, gerade die Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu begleiten, künstlerisch ausdrucksstarke Ergebnisse entstehen zu lassen. Mehr noch hat mich jedoch berührt, wie in der Erarbeitungs- und Herstellungsphase die Themenaspekte der einzelnen Stationen angesprochen werden konnten und mit dem eigenen Leben in Beziehung gebracht wurden. Viele intensive Gespräche resultierten aus der intensiven Selbstbetrachtung und dem nachdenklichen Blick auf unsere Welt im Großen und Kleinen. So hat mich umgekehrt als Künstler und kreativer Prozessbegleiter des Kreuzweges zutiefst bereichert, wie wirkungsvoll diese Street Art ist und auch gerade optimal den Zeitgeist ausdrückt, ohne dabei oberflächlich zu sein.

In Unterschiedlichen Varianten von Kreuzweg- Gottesdiensten oder Andachten war für mich erlebbar, wie methodisch kreativ Kreuzwege gestaltet und wie emotional hier Anstöße sein können, um echte Nachhaltigkeit zu ermöglichen. Gerade in der Arbeit mit Sprayen für JesusArt in Gemeinden gelang es oft, einen neuen Zugang zum Kreuzweggeschehen zu öffnen. Die ziemlich intensive Vorbereitung ließ Wege entstehen, die im weiteren Sinne faszinierten, aber eben auch manche Träne hervor riefen im Blick auf Not, Elend, Leid und Hoffnungslosigkeit von Lebenssituationen vieler Menschen in unserer Zeit. Dabei aber war der Transfer ins eigene Leben und Leid genauso da wie derjenige auf den persönlichen Nächsten in meiner eigenen Welt – es geht darum, zu handeln, etwas zu verändern.

12891545 10209060900510057 2830466247271103045 oIch bin absolut dankbar, diese Erfahrungen gemacht zu haben. Meine Hoffnung ist, dass Street Art und die Sprühdose Medien bleiben, die auch im kirchlichen Kontext Wirkung haben: Kreative und künstlerische, sozialkritische und mahnende… und manchmal soll es einfach nur schön und spaßig sein. Mit den Materialien von JesusArt geht es ja weiter, mit denen von #beimir sind zusätzliche neue Möglichkeiten entstanden. Ich freue mich, dass wir gemeinsam Sprayen für diese Botschaft von dem Leid und der Liebe von Jesus Christus.

Mika Springwald
ist Stencil-Art-Künstler und hauptberuflich Sozialarbeiter im Caritasverband für die Stadt und den Landkreis Osnabrück. Er arbeitet für und mit Menschen, die hart darum kämpfen, ins Leben reinzukommen – seine Kunst bringt ihn mit Stars von Musik bis Fußball zusammen. Der Ökumenische Kreuzweg der Jugend JesusArt basierte auf Bildern aus einem seiner Projekte mit Firmlingen. Für #beimir ließ er zusammen mit Bernd Arnold und uns Jesus auf seinem Kreuzweg mitten in unserer Welt durch gesprayte Stencils sichtbar werden.