Interviews & Erlebnisberichte Rund um den Jugendkreuzweg

Gott ist immer bei uns: Interview mit Rojeh Kanoungi aus Syrien

Rojeh, du bist Christ. Was ist dir wichtig an deinem Glauben?

Viele wichtige Dinge kann man von Jesus lernen: Glaube, Liebe und Toleranz, aber am wichtigsten ist der Glaube. Ohne Glauben klappt nichts. Wie bei Petrus als er Jesus auf dem Wasser entgegengeht. Als Petrus nicht mehr glaubt, geht er unter.

Warum glaubst du?

Weil Jesus für uns und unsere Sünden gekreuzigt wurde und er uns unsere Schuld vergibt. Außerdem empfinde ich es als ein großes Geschenk, dass ich überhaupt an ihn glauben kann.

Wie war das bei deiner Flucht von Syrien nach Deutschland?

Gott war jeden Tag bei mir. Er ist mit mir unterwegs gewesen. Mein Bruder und ich sind nachts alleine mitten auf dem Meer getrieben. Nach sechs Stunden hat uns jemand geholfen. Ich bin überzeugt: Gott war bei mir. Er hat mich begleitet als ich nach Deutschland geflohen bin. Ich glaube ohne unseren Glauben wären mein Bruder und ich nie in Deutschland angekommen.

Wie ist das in deinem Alltag in Köln?

Ich merke, dass Gott bei mir ist. Deswegen mache ich mir keine Sorgen. Ich glaube Gott ist bei mir und er ist bei allen Menschen, die das wollen. Wenn jemand mit Gott durch den Alltag gehen möchten, dann ist Gott auch bei ihnen.

Du bist weit weg von zuhause. Hat sich dein Glaube dadurch verändert?

Als ich nach Deutschland gekommen bin war ich schockiert. Ich hätte nicht gedacht, dass so viele Menschen in Deutschland Atheisten sind. In Deutschland werde ich immer gefragt: Warum glaubst du an Gott? Und viele sagen mir sie glauben nicht, weil ihnen etwas Schlimmes passiert ist und Gott nicht da war. Da sind dann immer die gleichen Fragen: Wo bist du, Gott? Warum hilfst du mir nicht, Gott? Warum bist du nicht da, Gott? Meine Antwort lautet dann immer: Gott ist da und er ist bei dir.
In Aleppo, in Syrien ist heute Krieg. Viele Menschen sind tot. Aber ich glaube Gott ist da – auch nach der Katastrophe.

Hast du nie gezweifelt?

Ich habe nie gezweifelt. Ich unterhalte mich immer darüber mit meinem Bruder. Ich erzähle mal ein Beispiel: Man hat eine Prüfung und man fällt durch. Und dann fragt man wo bist du Gott? Das ist falsch. Meine Frage ist dann: Hat man gelernt? Gott hilft, aber du musst auch was tun. Du musst lernen.
Für mich gilt: Arbeite und mach was du kannst, dann ist Gott bei dir. Wenn du nur dasitzt und nichts tust, brauchst du Gott nicht fragen: Wo bist du? Du musst auch selber was tun.

Bei dir hört sich das so einfach an. War dir das immer so klar?

Nein, erst als ich Soldat wurde. Das war für mich sehr schwer und ich hatte Angst. Ich fragte Gott: Wo bist du? und Kannst du mir helfen? Alleine kann ich das nicht schaffen. Mir war wichtig, dass Gott bei mir ist und ich ihn spüre. Das habe ich damals aber nicht und mich sehr einsam gefühlt. Erst nachdem ich Soldat geworden bin, habe ich gemerkt, dass Gott bei mir war – jede Minute, jeden Tag. Seitdem ist mir klar: Ich muss Gott spüren wollen, dann spüre ich ihn und merke: Er ist bei mir. Aber, egal ob wir ihn spüren oder nicht: Gott ist immer bei uns.

Interview: Daniel Gewand.

Rojeh Kanoungi Web

Rojeh Kanoungi
ist vor zwei Jahren zusammen mit seinem Bruder aus Syrien geflohen. Seitdem lebt er in Köln. Zurzeit besucht er einen Deutschkurs und arbeitet einmal in der Woche als Mechaniker in einer LKW-Werkstatt. Gerne würde er in diesem Bereich eine Ausbildung anfangen. Für den Jugendkreuzweg #beimir hat er sich in der Warteschlange an einer Kölner Eisdiele fotografieren lassen. In seiner Heimat Syrien ist er aufgewachsen mit einem tiefem Vertrauen auf Gott und einem intensivem Glaubensleben mit hoher Alltagsrelevanz.