Wissenschaft nach Jesus Art

Untersuchungen zum Ökumenischen Kreuzweg der Jugend

Seit vielen Jahren entsteht Jahr für Jahr neues Jugendkreuzwegmaterial. Dieses soll nach dem Anspruch der Nutzer und Herausgeber stets neu und stetig „gut“ sein: In der Ästhetik und im Inhalt, in der Musik und im Bild, in der Konzeption und der Materialnutzbarkeit sowie vor allem in der Auslegung der zeitlosen biblischen Hintergründe und deren Übertragung in zeitgemäße Lebenswirklichkeiten. Um das Niveau des Materials stets qualitativ weiter zu entwickeln ist das Team dankbar für alles Feedback und für externe begleitende Impulse.

So erfährt der ÖKJ gegenwärtig eine kritische Würdigung in zwei wissenschaftlichen Arbeiten an der Evangelischen Hochschule Moritzburg bei Dresden, die von meiner Person begleitet werden. Eine dieser Erarbeitungen ist eine Masterarbeit im Studiengang „Evangelische Religionspädagogik“ (M.A.) mit dem Arbeitsthema: „Wirkungsweise und Verwendung des Ökumenischen Kreuzweges der Jugend. Eine empirische Untersuchung zu Einsatz und Nutzung des Materials im Bereich der evangelischen und katholischen Jugendarbeit in Südostdeutschland“. Die Ergebnisse dazu werden im Frühjahr 2018 vorliegen.

Eine weitere Abschlussarbeit entstand jüngst im Bachelorstudiengang „Evangelische Religionspädagogik mit sozialarbeiterischem Profil“ unter dem Thema „Passion als Thema konfessioneller Jugendarbeit am Beispiel des Ökumenischen Kreuzweges der Jugend 2017 (ÖKJ) - Untersuchung der didaktisch-methodischen Zugänge und deren kritische Würdigung“. In dieser Arbeit beschäftigt sich der Autor Oliver Thunig (Dresden) mit der religionspädagogischen Nutzbarkeit des Materials „JesusArt“ von 2017.

Dabei werden zunächst (religions-) pädagogische Kriterien gemäß dem Modell der „Didaktischen Analyse“ von Wolfgang Klafki erarbeitet und die exemplarische Bedeutung, die Gegenwartsbedeutung, die Zukunftsbedeutung, die Sachstruktur sowie die Zugänglichkeit des Materials untersucht. In einem weiteren Schritt überprüft der Autor die auf Karl Ernst Nipkow zurückgehende religionspädagogische „Verpflichtungen“ nach Friedrich Schweitzer in Bezug zu „JesusArt“ und stellt folgende Fragen:

  1. Fördert der Jugendkreuzweg eine globale Perspektive für eine humanistische, ökologisch verantwortungsvolle Welt?
  2. Hilft der Kreuzweg Verständnis füreinander, trotz kultureller, regionaler und religiöser Unterschiede zu entwickeln?
  3. Begleitet und unterstützt der Jugendkreuzweg Jugendliche und junge Erwachsene in ihrer Entwicklung und ihrer derzeitigen Lebenssituation?
  4. In welcher Art und Weise setzt sich der Kreuzweg der Jugend mit relevanten wissenschaftlichen Erkenntnissen auseinander?

Während Grundbedingungen, Konzeption und Ästhetik des Jugendkreuzwegs 2017 vom Autor der Bachelorarbeit positiv beurteilt werden, wird die Mediennutzbarkeit von „JesusArt“ differenzierter dargestellt. So lässt sich feststellen: „Der ökumenische Kreuzweg der Jugend 2017 wird den didaktischen und religionspädagogischen Anforderungen gerecht. Er verbindet die Lebenswelt der Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit der Passionsgeschichte, ohne dabei in der Gesamtkonzeption ein Ungleichgewicht der beiden Pole, sprich der Lebenswelt und der Leidensgeschichte Jesu, herbeizuführen.
In den einzelnen Medienformen allerdings findet dieses Ungleichgewicht statt. So sind die Videos sehr stark in der Lebenswelt verortet und geraten in die Gefahr, dass die Erzählung von Jesu Leiden nicht auftaucht. Ebenso haben die Bilder eine stärkere Verbindung zu der jugendlichen Lebenswelt.

Die Texte und Impulse bilden das Bindeglied zu den anderen Medien und sind das erzählende Moment der Passionsgeschichte. Das Medium Film, die Nutzung der Plattform YouTube und die Umsetzung des Materials als Applikation ist dagegen sehr neu und bedarf deswegen sicherlich auch der größten Weiterentwicklung.“ Zudem wird angemahnt: „Die Präsentation und Repräsentation des Jugendkreuzweges braucht authentische Zeugen und Zeugnisse, damit sich Jugendliche und junge Erwachsene auf dieses mitunter lebensverändernde Erlebnis einlassen können. Ebenso verifiziert eine authentische Vorstellung und Darstellung den religionspädagogischen Anspruch mit den damit verbundenen Werten.“

Die im Sinne von Klafki aufgestellten Kriterien für didaktische Maßstäbe sieht O. Thunig erfüllt. „Denn der Kreuzweg der Jugend beschreibt in seiner Gesamtkonzeption exemplarisch die Leidensgeschichte Jesu. Weiterhin befasst sich der Jugendkreuzweg mit den aktuellen Lebenswelten von Jugendlichen und jungen Erwachsenen und gewinnt damit eine Bedeutung für die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, für die Gegenwart und die Zukunft. Dies liegt daran, dass der Kreuzweg Impulse zum reflektieren anbietet sowie eine Glaubensperspektive eröffnet, wonach Jesus Christus in ihrer aktuellen Lebenssituation präsent ist und insbesondere schwere, leidvolle Zeit miterlebt, mitleidet und überwindet. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen können aus dem Miterleben des Jugendkreuzweges Erkenntnisse gewinnen, die prägend für ihr Leben sind.“

Es ist die Hoffnung des Reaktionsteams, dass dies auch 2018 so sein kann – #beimir und bei dir und bei allen Nutzerinnen und Nutzern des Materials des Ökumenischen Kreuzwegs der Jugend.

Petzoldt

Diakon Tobias Petzoldt
Dozent für Bildungsarbeit mit Jugendlichen und Leiter des Institutes für Berufsbegleitende Studien, Evangelische Hochschule Moritzburg (EHM)

1 Schweitzer, Friedrich: Karl Ernst Nipkow und die wissenschaftliche Religionspädagogik. In: Schweitzer, Friedrich; Elsenbast, Volker; Schreiner, Peter (Hg.): Religionspädagogik und evangelische Bildungsverantwortung in Schule, Kirche und Gesellschaft. Münster: Waxmann, 2016