Die Musik des Jugendkreuzweges 2017

Zwei Möglichkeiten, zwei Arten stehen in diesem Jahr zur Auswahl, zwei Audio-CDs sind verfügbar, zwei Wege, den Jugendkreuzweg musikalisch zu gehen – mindestens.

Gregor Linßen Foto Peter Gottselig

Die erste Option: Gregor Linßens moderne Geistliche Musik

Die Musik von Gregor Linßen umkreist den Liedruf «Erbarmen». Der ist einerseits wie eine Schablone, weil er immer wiederkehrt und durchstrukturierte Elemente aufweist – seine Sprache ist andererseits assoziativ, gesprayt wie die Bilder. Seine Musik ließ sich auf das besondere Konzept des ökumenischen Kreuzwegs 2017 ein, musste das auch: Sie tritt in Dialog mit Street-Art-Ästhetik.

Beginn und Ende bleiben im bewährten Gewand der Neuen Geistlichen Musik. Für den gesamte Mittelteil jedoch wählte Gregor Linßen, den Grafitti-Bildern entsprechend, elektronische Musikstile.
Der Kreuzweg eröffnet mit dem bekannten Bittlied «There is a longing», im Original Text und Musik von Anne Quigley, mit dem deutschen Text «Da wohnt ein Sehnen» von Eugen Eckert. Es folgt dann der Ruf «Es geschieht heute» von Stefanie Dormann aus dem Kreuzweg 2001, der den Kreuzweg in der Jetztzeit verankert.

Dann beginnt der eigentliche Kreuzweg mit dem Lesen der Passion über elektronischer Musik, die auf der Ouvertüre von Gregor Linßens Werk PSALM 2016 basiert. Die rein instrumentale Musik bietet an, eine atmosphärische Nähe zwischen dem Kreuzweggeschehen damals und heute herzustellen. Der bewährte Liedruf zu den Stationen stand vor der Herausforderung, zwei Aufführungsarten zu ermöglichen: eine Verwendung als Halbplayback mit elektronischer Musik oder eine Live-Begleitung mit einer Gitarre. Dafür schrieb Gregor Linßen den Ruf «Erbarmen» als einen assoziativen, nur aus einzelnen Worten bestehenden Text. Er bildet einen Kompromiss, eine Brücke zwischen dem normalerweise rein instrumentalen Musikstil und der Tradition des Stationsrufs.

Am Schluss steht das von Norbert Becker neu geschriebene Lied «Wenn wir Leid erkennen», dessen Refrain den Titel des Kreuzwegs aufnimmt.

Multimedia 1

Die Doppel-CD mit 8-seitigem Booklet ist Teil des Kreuzweg-Multimediapacks und kann über den Shop bezogen werden.

Über Kreuz

Die zweite Option: die elektronischen Popklänge von Manuel Steinhoff & Marco Michalzik

Der zweite Musikweg ist inspiriert durch den HipHop- bzw. Rap-Style, der oft mit Street Art, ihren Künstlern und Orten korrespondiert.
Im Kern des CD-Albums zum ökumenischen Jugendkreuzweg steht der eingängige Elektropop-Song «Über Kreuz» – ein Lied, das sich im Spannungsfeld zwischen vertikaler, erlebter Liebe Gottes und der horizontalen Nächstenliebe aufspannt und dazu inspirieren will, die Balance darin zu finden.

ueber kreuz

Geschrieben wurde der Song gemeinsam von Spoken Word-Künstler Marco Michalzik und Produzent Manuel Steinhoff. Und mit Sängerin Lilly Kiuntke und Gitarrist Theo Sperlea waren weitere Personen aus dem Künstlerkollektiv «Die Stimme erheben» an der Produktion beteiligt.
Elektronische geprägte, kontemplative Instrumentaltracks nehmen Aussage und Wirkung der Bilder und Installationen auf – mal meditativ, mal herausfordernd – und münden immer wieder in den Verlängerungen des Liedrefrains: «Von unten nach oben …»

Eingerahmt wird das von zwei gewissermaßen gespiegelten ­Spoken-Word-Stücken von Marco.


Zu den Künstlern
Marco und Manu arbeiten nicht zum ersten Mal zusammen: Marcos erstes Hörbuch «Der obdachlose Gott» entstand in Zusammenarbeit und auch auf dem Album «Die Stimme erheben. Lieder für Gott, Gemeinde und eine gerechte Welt» (www.diestimmeerheben.de) sind beide mit von der Partie. Und auch live sind Marco und Manu gemeinsam zu erleben.


Manuel Steinhoff 2Manuel Steinhoff
ist studierter Popakademiker (also Absolvent der Popakademie Baden-Württemberg in Mannheim) und seit Jahren als Basser, Songwriter und Produzent über die deutschen Grenzen hinaus am Start. Er investiert sich viel und gerne in neue Projekte, für Gerechtigkeit und in die Nachwuchsförderung (u. a. zweifacher Lehrbuchautor [Schott, Hänssler]). Ständig auf der Suche nach einem neuen, authentischen Ausdruck experimentiert er gerne im Spannungsfeld zwischen Pop, Folk und ­Elektro.

chunkymonkeyproduction.de


wayp marco013Marco Michalzik
aus Darmstadt ist seit geraumer Zeit als Spoken Word-Künstler, Rapper und Songwriter unterwegs. Seine Texte sind auf etlichen Buch- und CD-Veröffentlichungen zu lesen und zu hören. Im Herbst 2016 erschien sein zweites Hörbuch «Heute ist morgen schon gestern.» Außerdem gibt er Workshops rund um das Thema Poetry Slam und kreatives Schreiben.

marcomichalzik.com

Bernd Arnold, Fotograf

Bernd Arnold arbeitet als Fotokünstler und als freier Fotograf für deutsche und internationale Printmedien. Sein zentrales Thema ist «Macht und Ritual». Die Rituale der Macht entdeckt er in der Politik, der katholischen Kirche, der Wirtschaftswelt, dem Fernsehen und der Halbwelt.

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Jürgen Trittin im Bundestagswahlkampf 2013.
Erschienen im Fotobuch „Wahl Kampf Ritual“ von Bernd Arnold im Verlag Edition Panorama.

Der Zyklus zeigt die Inszenierung von Führungsanspruch, Meinungkontrolle und Religion, wie sie in der modernen Gegenwartsgesellschaft stattfindet. Die Fotoarbeiten aus «Macht und Ritual» waren bereits vielfach in nationalen und internationalen Ausstellungen zu sehen. Im Laufe seiner langjährigen Arbeit als Fotograf gab es immer wieder Berührungspunkte mit dem Katholizismus. Dies zieht sich wie ein roter Faden durch seine Themen.

2013 war es eine Herausforderung für den «Menschenfotografen», die monumentalen Skulpturen des Künstlers Dr. Ulrich Barnickel der Gedenkstätte Point Alpha für den Jugendkreuzweg zu fotografieren. Die Arbeit des Bildhauers, die «Erkenntnis-Essenzen» in Stahl und Eisen umzusetzen und dann wieder durch den Fotografen zurück in das zweidimensionale Medium zu transportieren, klingt eigentlich nach einem Umweg. Der birgt aber durch die subjektive Interpretation vor Ort eigene Möglichkeiten, sich durch Verdunklung der Umgebung und Fokussierung des Blicks auf Details sich dem Kreuzweg anzunähern. Das verbindet diese Arbeit von Bernd Arnold mit dem Kreuzweg 2017.

Auch Mika Springwalds Kunstform, die eben zur Street-Art-Ästhetik gehört, und ihre Kombination mit dreidimensionalen Gegenständen, ging ja diesen Weg.

 

bernd arnold 2008bBernd Arnold
hat Fotografie an der Fachhochschule Dortmund studiert. Er lebt und arbeitet in Köln.

berndarnold.de

Michael Erbach, Designer

«Der Gestalter» ist ein kleines interdisziplinäres Büro für Branding, Print & Web in Köln. Michael Erbach entwickelt hier Logos und Geschäftsausstattungen für kleine & mittlere Firmen, arbeitet als Freelancer für Verlage & größere Organisationen und gestaltet Artwork für Musiker und den Kulturbetrieb.

DER GESTALTER 099 byFelixGroteloh

«Design für den Jugendkreuzweg zu machen war eine spannende Aufgabe: ich bin eher kirchenfern aufgewachsen und wusste erst nicht so recht, welchen gestalterischen Weg ich einschlagen sollte.
Letztendlich habe ich mich für ein klares modernes Erscheinungsbild und die Haltung entschieden, dass spiritueller Inhalt nicht extra mit bildlichen oder typografischen Klischees inszeniert werden muss, um spirituell zu sein. Ein Gebet bleibt ein Gebet – egal, ob Du es in Times New Roman oder Helvetica setzt. Ich wollte den Teilnehmern die Möglichkeit geben, ihre Spiritualität selbst in den Umgang mit dem Material einzubringen, in der Gestaltung selbst so wenig wie möglich emotional einfärben und Stimmungen vorgeben.
Schön war es auch, mit dem tollen Team des Jugendkreuzwegs und den Arbeiten von Mika Springwald und Bernd Arnold zu gestalten – und es war eine spannende Erfahrung, mit diesen ikonografischen Bildern von Jesus, dem ‹Vater aller Ikonen›, zu arbeiten.»

DER GESTALTERMichael Erbach
hat Kommunikations- und Mediendesign in Braunschweig und Mannheim studiert, nachdem er erfolgreich ein Philosophie- & Germanistikstudium abbrach.
Seit 2011 betreibt er sein Einmann-Einraumbüro für Grafikdesign & visuelle Kommunikation in Köln, wo er wohnt und lebt.

dergestalter.de