Vorwort des Redaktionsteams JKW 2016

 "WO BIST DU!"

Ökumenischer Kreuzweg der Jugend 2016

Ich sehe einen Jungen, der auf der Flucht vor dem Krieg ertrunken ist und vom Meer angeschwemmt wird. Ich sehe eine Freundin, die bei einem Autounfall ums Leben kommt. Ich sehe Menschen, die am anderen Ende der Welt in Armut leben, weil unser Wirtschaftssystem ihnen keinen Raum zum Überleben lässt. Ich sehe den Krieg zwischen den Menschen, die sagen, dass das hier ihr Platz, ihr Land oder ihr Gott ist und nicht der des anderen. Ich sehe den Streit mit dem Menschen, von dem ich dachte, er hält zu mir. Es fühlt sich kalt an in dieser Welt. Und ich blick mich um, um Dich zu sehen. Um zu glauben. 

UND ICH SCHREIE: WO BIST DU, GOTT? 
Wo bist Du in so einer verlassenen Welt? Wo bist Du inmitten von meinem Schmerz? Wo bist Du, wenn die Menschen untereinander die Grenzen dicht machen? Und wo, wenn die Wut mein Herz vor dem anderen verschließt? Wo ist der gute Hirte, der mir den Weg aus dem Konflikt zeigt? Wo ist das Licht der Welt, wenn die Einsamkeit mein Leben dunkel macht? Wie nur könnte ich mich Dir anvertrauen, wie es die Menschen taten, die die Psalmen erklingen ließen? Oder die, die mir heute in unserer Welt auf dem Weg zu Dir so weit voraus scheinen. Der Schrei Hiobs hallt nach: „Wo bist Du, wenn ich Dich brauche!“ Wo bist Du auf meinem Lebensweg? 

Ich sehe das Kreuz und die Bilder in den Kirchen und frage mich: Wo bist Du, Gott, auf dem Weg Jesu? Als er zu den Menschen kommt, um von Deiner Liebe zu erzählen? Wo, als sie ihm sagen, was er sein und tun soll, anstatt ihm zuzuhören, was sie sein und tun können? Als es einsam wird um ihn? Als er vor Schmerz stöhnt, warum Du, Gott, ihn verlassen hast? 

Vorwort der Herausgeber

Liebe Interesentinnen und Interessenten am Ökumensichen Kreuzweg der Jugend 2016,

„Wo bist Du!“ lautet der Titel des diesjährigen Weges. Hinter ihm steht eine Frage, die als sehnsüchtiger oder auch verzweifelter Ruf in beide Richtungen schallt, zu Gott und zum Menschen:

WO BIST DU, GOTT, IN DEN BRÜCHEN UND LEEREN, DEN ÄNGSTEN UND DER EINSAMKEIT, IN DER SUCHE NACH HALT MEINES LEBENS?

WO BIST DU, MENSCH, IN DEINER FREIHEIT, IN DEINER VERANTWORTUNG, WO BIST DU, DAMIT ICH DURCH DICH DIESE WELT VERÄNDERN KANN?

In den Bildern des Ökumenischen Kreuzwegs der Jugend klingen beide Rufe wider. Sie erzählen von der Suche nach Gott und von der Gottes nach jedem von uns. Gemeinsam weisen Texte und Bilder in die Geschichte, weisen auf den Weg Jesu mit dem Kreuz. Sie weisen zugleich auf die Gegenwart, auf die Menschen, die auf diesem Weg in Jerusalem und überall in der Welt unterwegs sind. Sie weisen auf die Gegenwart in Jerusalem und hier, auf die Konflikte um Territorien oder Religionen und auf die Not von flüchtenden Menschen, auf die Sehnsucht in uns selbst und auf unseren eigenen Schmerz. Gemeinsam rufen Bilder und Texte nach dem Leben, mitten im Tod. „In Deine Hände lege ich voll Vertrauen meinen Geist“, betet Jesus mit Psalm 31, 6 am Kreuz zu Gott. „In dieser Welt, in Deinem Nächsten lege ich mich in Deine Hände“, spricht Jesus zu uns (vgl. Mt25, 35f). Wo Jesus Christus ist, ist das Leben.

Wir danken dem Redaktionsteam für diesen Dialog der Rufe im diesjährigen Kreuzweg, für die eindrückliche Intention, Entwicklung und Umsetzung. Allen, die den Kreuzweg in Gruppen, Gemeinden, alleine oder in Verbänden beten, die ihre eigenen Rufe mit diesen Bildern und Texten verbinden, wünschen wir hörende Herzen und einen erhörenden Gott.
Wir wünschen ihnen einen ökumenischen, lebensnahen und segensreichen Weg des Kreuzes, einen Weg der Erfahrung des Dialogs mit Gott und miteinander.

 

Bianka Mohr 
Leiterin

Mike Corsa
Generalsekretär

Pfr. Dirk Bingener
Bundespräses