Bußandacht Petrus

Bußandacht Petrus

Wenn die Angst uns drängt…

ein Bußgottesdienst

mit Gelegenheit das Sakrament der Versöhnung zu erhalten

Material: Perlenband für jede und jeden;

Die Gemeinde trifft sich vor dem-/ im Eingangsbereich der Kirche (so dort ausreichend Platz ist) oder in einer Seitenkapelle. In der Mitte steht eine Kerze.

Kirche nur mit Kerzen erleuchtet/ Licht gedämpft.

Bild der Station II wird gut sichtbar im Altarraum an die Wand geworfen.

Lied – Vorschlag: Lamm Gottes, Du nimmst uns an, T. u. M. P. Norbert M. Becker

Liturgische Eröffnung:

Vor Gott und mit Gott, der die Barmherzigkeit ist, beginnen wir unseren Bußgottesdienst.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Hinführung:

Geht uns das Wort „Sünde“ leicht über die Lippen?

Reden wir nicht lieber von Schwächen und Fehlern?

Die verniedlichen. Die sind entschuldbar.

Der Mensch, der von Sünde spricht, sieht glasklar, dass er falsch gehandelt hat.

Der bekennt sich dazu, dass sein Tun Folgen hat- bewusst oder unbewusst Menschen verletzt hat, dass er sich von seinem Gott und Schöpfer entfernt hat.

Aber alles, was wir tun, hat Folgen. Unser gutes Wort, die zarte Hand, das liebevolle Wort lässt andere wachsen und sich entfalten. Schenkt ihnen Lebensmut und Freude.

Das lassen wir uns gerne sagen.

Dass es mit dem Schlechten, das wir tun, aber genauso läuft, dass auch all das Konsequenzen nach sich zieht – ist uns das bewusst? Stehen wir dazu?

Ein Blick in das aktuelle Zeitgeschehen zeigt uns genau das in großem und unübersehbaren Maßstab: weder die katastrophale Lage unserer Umwelt, noch die Krise im weltweiten Handel sind vom Himmel gefallen. Sie sind hausgemacht.

Mein Verhalten, meine Worte, Taten und Gedanken, mein Handeln und Wandeln haben Konsequenzen für andere.

Es ist gut, heute innezuhalten, zurück zu schauen und unser Leben Gott hinzuhalten.

Sein Blick ist gütig und barmherzig.

Er heilt und wandelt und schenkt uns die Möglichkeit, neu zu beginnen.

Kerze wird entzündet.

Einzug in den Chorraum. Kerze wird auf an einen markanten, zentralen Ort gestellt.

Kyrie: im Stehen

Guter Gott, Du hast diese Welt erschaffen und alles war gut. Herr, erbarme Dich.

Herr Jesus, Du hast uns von der Knechtschaft der Sünde erlöst.

Christus, erbarme Dich.

Heiliger Geist, Du treibst uns an, Gutes zu tun. Herr, erbarme Dich.

Gebet:

Guter Gott, Du erbarmst Dich – Du beugst Dich herab in unsere Armut und willst uns in ein neues Leben führen. Schenke uns einen wachen Geist und ein mutiges Herz, dass wir Falsches und Rechtes erkennen. Dazu brauchen wir Deinen Beistand.

Steh uns bei, der Du lebst und herrschst in Ewigkeit. Amen.

Lesung I: Lk 22,55-62

Stille

Wiederholung der Verse 61, 62

Impuls und Gewissenserforschung:

Manchmal gehen Blicke unter die Haut, manchmal reichen Blicke ins tiefste Innere und legen offen, wie wir sind. Wie wir geworden sind.

Manchmal schauen Blicke scheinbar die Seiten in uns, die dunkel sind.

Die uns verbiegen und verändern.

Manchmal legen Blicke unsere Sündhaftigkeit offen.

So wie Jesu Blick auf Petrus.

Jesus wusste, Petrus würde straucheln.

Das hat er Petrus geoffenbart.

Aber es braucht diesen Blick Jesu, dass Petrus umkehrt.

Es braucht den liebenden und barmherzigen Blick Jesu, um umzukehren.

Lassen wir uns von Jesus anschauen.

Schauen wir mit seinem liebenden Blick auf unser Leben:

Gewissenserforschung mit dem Perlenband.

Siehe hierzu „Perlen – Gewissenserforschung“

Eventuell unterlegt von leiser Musik.

Zuspruch:

Jesus kündete an: Ich sage dir, Petrus, ehe heute der Hahn kräht, wirst du dreimal leugnen, mich zu kennen (Lk 22, 34). Kurz zuvor hatte Jesus gesagt: Simon, Simon, der Satan hat verlangt, dass er euch wie Weizen sieben darf. Ich aber habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht erlischt. Und wenn du dich wieder bekehrt hast, dann stärke deine Brüder (Lk 22,31f).

Jesus weiß um das Straucheln seines „stärksten Mannes“.

Trotzdem traut er ihm noch alles zu. Ja, gibt ihm eine große Verheißung mit auf den Weg. Und Jesus hält diese unglaubliche Spannung aus, lässt sie zu.

Noch vor dem Verrat weist er Petrus auf große Aufgaben hin. Er glaubt an Ihn.

Welchen Zuspruch Jesu wünsche ich mir für meinen Weg?

Zeit der Stille und Gelegenheit, sie aufzuschreiben.

Eventuell unterlegt von leiser Musik.

Reue?

„Da wandte sich der Herr um und blickte Petrus an. Und Petrus erinnerte sich an das, was der Herr zu ihm gesagt hatte: Ehe heute der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Und er ging hinaus und weinte bitterlich (Lk 22,61-62)“.

Das griechische Wort für „ansehen“ geht viel tiefer, als die deutsche Übersetzung. Es meint ein Anschauen, das durch Mark und Bein geht, einen Blick, der von einer tiefen Beziehung und großem Vertrauen spricht, der selbst im Moment der Kränkung, Verletzung und des Verrats keine Lossagung vom Verräter ist, sondern ein liebender Blick, der noch in der größten Erschütterung auf Erkenntnis und Umkehr setzt.

Das lag also in diesem kurzen Blick Jesu, der Petrus so tief ins Herz trifft.

Nicht Enttäuschung, sondern Ermutigung.

Nicht Wut, Trauer, Verzweiflung, sondern Verzeihen.

Ein Moment, der Petrus erkennen lässt, was er tat.

Es muss etwas in diesem Blick gewesen sein,

das Petrus erkennen ließ, ohne ihn zu brechen.

Das ihn bereuen ließ ohne ihn zu demütigen oder zu geißeln.

Das Reue ermöglichte, aufrichtige, tiefe Reue.

Ohne, dass er sich dazu genötigt oder dahin getrieben fühlte.

Ohne, dass er dahin getreten wurde.

In der Reue kann ich wieder aufstehen und neu beginnen.

Es muss etwas in diesem Blick gewesen sein,

dass ihn wieder aufstehen ließ, ohne ihn zu beugen.

Etwas, das nur Gottes Blick auf uns Menschen hat.

Dieses Übermaß an Liebe, in dem wir immer neu erkennen,

was er uns zutraut und

als wer er uns gedacht hat.

Nicht in der eigenen Kraft liegt die Chance zu Umkehr und Neubeginn.

Aber unter seinem Blick können wir erkennen, umkehren und neu beginnen.

Dieser liebende Blick liegt auch auf uns.

Suchen wir uns einen Ort, hier in der Kirche, wo wir uns seiner Gegenwart am nächsten fühlen.

Das kann im Sakrament der Versöhnung sein – hier sagt uns Jesus ganz ausdrücklich sein Verzeihen und den Neuanfang zu.

Das kann auch erst einmal in einem vertrauensvollen Gespräch mit einem Priester oder Seelsorger sein.

Das kann aber auch erst einmal dicht am Tabernakel, am Kreuz, an einem anderen Ort in der Kirche sein.

Verweilen wir eine Zeit bei ihm, halten ihm unsere Schuld hin und lassen uns von seinem Blick treffen.

Priester stellt/stellen sich in Querschiffen für Beichte und Gespräch zur Verfügung,

ebenso vielleicht geschulte Laien und Seelsorger für ein Gespräch..

Hierzu kann auch das Gebet zur Gewissenserforschung (in diesem Heft)ausgelegt werden; Zeit der Stille, eventuell unterlegt von leiser Musik.

Fortführung nach verabredeter Zeit:

In manchen Gottesdiensten wird in besonderer Weise veranschaulicht, wie Gott Sünden vergibt. Sie werden verbrannt. So ermöglicht Gott den Neubeginn. Das Alte ist erlassen. So, als hätte es niemals existiert. Manchmal geht mir das zu schnell. Denn es gibt keine Vergebung ohne Reue und – wo möglich – Wiedergutmachung.

Nehmen wir unsere Schuldscheine doch erstmal mit nach Hause.

Seien sie uns Mahnung, Unrecht, wieder gut zu machen.

Erinnerung, dass ich um Verzeihung bitte und selber verzeihe.

Ermutigung, dass ich immer wieder neues Leben ermögliche, so wie er es mir ermöglicht.

Und dann bringen wir all diese Schuldscheine mit in die Osternacht.

Der Ort, wo wir sie voller Zuversicht den verzehrenden Flammen opfern können ist dort –

im Osterfeuer.

Vielleicht kann man hierzu auch einen liturgischen Rahmen schaffen.

Lied – Vorschlag: So ist Versöhnung, T. Jürgen Werth, M. Johannes Nitsch;

oder Du für mich, T. u. M. Kathi Stimmer-Salzeder;

oder Nadate turbe, In manus tuas oder Meine Hoffnung, meine Freude, Taizé

Gebet:

Guter und barmherziger Gott,

Du verheißt Petrus in seiner Schuld einen neuen Anfang, ein neues Leben.

Du blickst ihn liebend an.

Wie unaussprechlich groß sind dein Verzeihen und dein Zutrauen zu uns.

Du kommst zu uns, wo uns eigene Schuld, eigenes Versagen beugen

und richtest uns auf.

So gestärkt können wir uns auf den Weg machen, als neue und gute Menschen zu leben vor Deinem Angesicht. Dafür loben und preisen wir Dich und rufen Dich an, als unseren Vater:

Vater unser

Segen:

Und dieser verzeihende, gütige Gott, er stärke uns und begleite uns mit seinem Segen –

Er der Vater, der Sohn und der heilige Geist. Amen

Lied – Vorschlag: