Informationen zu den Bildern

Unter kunsthistorischer Perspektive ist die religiöse Kunst das entschieden größte und wirkmächtigste Feld im Raum der Kunst. Religiöse Historienbilder und die christliche Ikonographie haben einen kaum zu überschätzenden, prägenden Einfluss auf die Entwicklung der abendländischen Kunst genommen und ein Motiv- und Bildreservoir geschaffen, das über Jahrhunderte in Variation malerisch entfaltet wurde. Mit den Mitteln der inszenierten Photographie schließt Brigitte Maria Mayer diesen Traditionsraum wieder auf, in einer Zeit, die andere transzendente Räume fernab vom Religiösen sucht und in der die Kunst schon seit Beginn des 20. Jahrhunderts in Zeiten transzendentaler Obdachlosigkeit eine scharfe Abkehr vom religiösen Motiv genommen hat.

 

Keineswegs ein künstlerischer Revisionismus in vormoderne Zeiten allerdings ist das künstlerische Movens, sondern die Etablierung und Verteidigung einer menschlichen Würde, die sich in präzis inszenierten und komponierten Tableaux Vivants ausdrückt. Brigitte Maria Mayer translokalisiert biblische Motive in bewusster Auseinandersetzung mit der Ikonographie ins die heutige Zeit.

 

Die Bilder von Brigitte Maria Mayer sind nicht laut, sie sind mit einem Vertrauen auf die Linie und die immerfort dauernde Gültigkeit der emotionalen und existentiell bedrohten Situation des in die Welt geworfenen Menschen in ruhiger, präziser Klarheit komponiert. Körper werden zur Skulptur, und so beanspruchen die grundsätzlichen Kompositionen selbstbewusst uneingeschränkte Gültigkeit über das bloß aktuelle Tagesgeschehen hinaus- auch hinaus über die Trends, Volten und Hypes, die einen aufgeregten Kunstmarkt bestimmen.

 

 

Kurz notiert:

- Bei den Arbeiten in Oberammergau handelt es sich um eine Auftragsarbeit?

Ja. Entstanden im März 2010.

- Die Bilder sind gestellt oder tatsächlich aus dem Spiel heraus geschossen?

Gestellt und mit Filmlicht ausgeleuchtet. Dadurch entsteht diese große Schärfe und Nähe.

- Licht, Farben, Mimik, Gesten sind total spannend und aufeinander abgestimmt. Wie kommt es dazu?

Ich suche einfach die Perfektion in meinem Medium.

- Wie haben Sie die Schauspieler in Oberammergau erlebt?

Offen und diszipliniert.

- „Leben“ die Darsteller ihre Rolle?

Für die Zeit der Inszenierung ja.

- Sind sie zugänglich für Ihre Inszenierung?

Ja, sehr offen und geduldig.

- Werden sie von einem „missionarischen“ Geist getrieben?

Ohne den geht es nicht.

 

- Bei den Fotografien kommt es Ihnen immer besonders worauf an?

Auf gehaltvolle Schönheit, die Komposition.

- Ihr erstes Foto war?

Mit 13: ein Ei verbunden über ein Kabel mit einer Kamera. Das Ei hat die Kamera betrieben.

- Fotografieren ist für Sie wie….?

Sehnsucht stillen, Räume schaffen, Freiheit…

- Ein religiöses Bild ist dann gut, wenn….?

Wenn es eine Verbindung zu einer höheren Ebene als der des Alltags herstellt und ich von seiner Schönheit überwältigt werde.

 

Literatur

  • Brigitte Maria Mayer, Heiner Müller:

Der Tod ist ein Irrtum. Suhrkamp; 2005; ISBN 3-518-41718-5

  • Brigitte Maria Mayer, Hrsg.

Der Text ist der Coyote: Heiner-Müller-Bestandsaufnahme. Suhrkamp, 2004; ISBN 3-518-12367-X

  • Brigitte Maria Mayer,

Perfect sister. II., Tübingen : Konkursbuchverl. Gehrke 1993; ISBN 3-887-69072-9

 

 

Quelle Wikipedia/ Homepage/ Künstlerin selbst