Ökumene und Kreuzweg

Ökumene und Kreuzweg

38 Jahre lebendige Ökumene –
Hinter den Kulissen des Kreuzwegs

Ein Baptist, eine Pastorin der Reformierten Kirche, zwei ev.- lutherische Landesjugendpfarrer und vier Katholiken brüten über ihren Texten. Es ist Sommer, Zeit für die Redaktionsklausur für die Texte des Ökumenischen Kreuzweges der Jugend.
Acht engagierte Christen, mit unterschiedlichen Glaubensbiographien und geprägt von der jeweiligen Zugehörigkeit zu ihren christlichen Kirchen bringen ihre Sicht auf das Passionsgeschehen ein.

Für mich, die ich viele Jahre diese Redaktionsgruppe geleitet habe, waren diese Gespräche, das Bemühen um eine gemeinsame Sprache, um Zugänge, die möglichst vielen christlichen Jugendlichen Andockmöglichkeiten bieten, eine große Bereicherung, auch für meine eigenen Glaubensfragen. Gelebte Ökumene, das hieß nie, die Unterschiede so lange weich zu zeichnen, bis es für alle passte. Im Gegenteil, es bedeutete, die Unterschiedlichkeiten auszuhalten und doch dabei einander tiefer verstehen lernen.
Vor allem dieses ökumenische, gemeinschaftliche Ringen hält bis heute die Arbeit der Redaktionsgruppe lebendig und schafft Jahr für Jahr neue Zugänge zu dem zentralen Thema, das uns Christen überkonfessionell eint: Das Leiden und Sterben Jesu und die Hoffnung, die seine Auferstehung schenkt.

Ein Blick zurück:
„Der ökumenische Kreuzweg der Jugend ist aus der Motivation heraus entstanden, sich mit den Jugendlichen im Osten zu solidarisieren. Die beiden christlichen Kirchen haben den Kreuzweg zu Anlass genommen, in beiden Teilen Deutschlands zur gleichen Zeit Jugendliche im Namen Jesu zu versammeln, um seine Passion zu bedenken“, so heißt es im ersten Werkbuch „Es ist noch nicht vollbracht“ zum Jugendkreuzweg, Düsseldorf 1987.
Aus ökumenischen Gründen bestand der Jugendkreuzweg im Normalfall nur aus sieben Stationen, zum einen als Belebung der traditionellen Andachtsform zu den 7 Fußfällen, die weit vor der Reformation schon bekannt war und zum anderen, um an die Tradition der 7 Passionsandachten in der evangelischen Kirche anknüpfen zu können.

Ein doppelter Brückenschlag also von West nach Ost und zwischen den christlichen Kirchen.
Das Bemühen um ökumenische Zusammenarbeit bei der Gestaltung des Jugendkreuzweges in den Gemeinden ist auch nach der Wende geblieben. In vielen Gemeinden ist der Kreuzweg eine der lebendigsten Formen der Zusammenarbeit.

Sich den Themen zu stellen, die uns unbedingt angehen, uns existenziell betreffen, zu dieser Herausforderung lädt der ökumenische Kreuzweg der Jugend jedes Jahr neu ein.
Und dort, wo junge Christen konfessionsübergreifend sich auf den Weg machen, um das Geheimnis dieser „Zwei Balken aus Holz“ tiefer zu verstehen, wird die Aktion des Ökumenischen Kreuzwegs der Jugend zu einem Ort, an dem sich Glauben im echten Dialog ereignet.

Simone Honecker
1997-2007 Referentin für Glaubensbildung, afj
und in dieser Zeit Geschäftsführerin der Redaktionsgruppe