Brief 02 - Paradies

Brief 02- Paradies


Anne, 17, schreibt:
Ich denke, jeder hat eigene Vorstellungen vom ´paradiesischen´ Leben nach dem Tod. Ich sehe das Paradies vor allem ohne jegliche irdischen Sorgen: ohne Angst vor dem Versagen, ohne die Angst, sich selbst und andere Menschen zu enttäuschen, ohne materielle Not.
Mein Paradies ist erfüllt von Liebe und Gleichheit. Keiner ist mehr wert als ein anderer und alle respektieren das.
Allerdings sehe ich das Leben nach dem Tod nicht bildlich vor mir.
Weder leben in meiner Vorstellung alle Verstorbenen in einem großen Schloss, noch hüpfen sie in weißen Gewändern von Wolke zu Wolke und sagen Gott jeden Tag ´Guten Morgen´.
Ich glaube auch nicht daran, dass man nach dem Tod versäumte Abenteuer nachholen kann. Mein Paradies ist kein Ort. Mein Paradies ist Erlösung.“


Liebe Anne, aus deinen Überlegungen, was das Paradies sein könnte, hören wir nur eines heraus: Gott ist die Liebe. Wir werden alle eines Tages oder besser am Ende der Tage ohne Abstriche, ohne Verdunkelung in seiner Liebe leben. Es ist, wie Johannes in einem seiner Briefe schreibt, eine Liebe ohne Furcht: „Furcht gibt es in der Liebe nicht“, auch nicht die Angst zu versagen, zu enttäuschen, ins Elend zu geraten. Jeder Mensch erhält seine Würde zurück, keiner wird zurückgesetzt oder bevorzugt. Es ist eine Liebe, die für alle reicht. Und alle können diese Liebe annehmen. Einstweilen erleben wir jeden Tag, wie weit wir noch vom Paradies diese Liebe entfernt sind. Aber in Jesus Christus hat sie schon unseren geschundenen Planeten erreicht. Er hat in seinem Leben auf der Erde das Abenteuer, diese Liebe zu verschenken, nicht versäumt. In ihm, der aus Liebe sein Leben gab, hat unsere Erlösung hier und jetzt schon begonnen. Deine Zeilen machen Mut, manche schwere Stunde im Alltag durchzustehen, vor der man auch als Bruder in Taizé nicht bewahrt bleibt. Wenn man selbst einmal nicht glauben kann, trägt einen der Glaube der anderen, dein Glaube. Danke, Frère Timothee und Frère Wolfgang