O-Ton Jugendlicher

O-Ton Jugendlicher

Interpretationen der „Sieben letzten Worte Jesu“
durch Jugendliche in Taizé
Mai bis Juli 2009


Station 1: vergib
"Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun." Lk 23,34
Lebensthema: Vergebung, Schuld, Recht/Gerechtigkeit, „Ich kann nicht“, Begnadigung -gnadenlos

Fabian, 18: In einer Bibeleinführung habe ich einmal gehört, Vergebung sei die extremste Form der Liebe. Wenn ich so darüber nachdenke, braucht es wirklich ein hohes Maß an Liebe um jemandem zu vergeben. Je nachdem, was ein Mensch „verbrochen“ hat, ist dazu mehr oder auch manchmal weniger Liebe notwendig.
Der Mensch ist oft blind für das, was um ihn herum geschieht. Es liegt in seiner Natur. Wir alle sind fehlbar. Wenn wir nicht weiter wissen, wenden wir uns oft an den Falschen und lassen uns leicht verführen. Deswegen ist es meiner Meinung nach wichtig, die Liebe aufzubringen, um anderen zu vergeben. Nur gemeinsam, durch Liebe vereint, sind wir stark.
„Vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“, auch, wenn es manchmal schwer fällt.

Lea, 17: Ich finde es sehr erstaunlich, dass sich Jesus erste Gedanken an diejenigen richten, die an Jesus schuldig geworden sind und dass er, obwohl sie ihm so großes Leid zugefügt haben, Vergebung für sie erbittet. Ich glaube, dass dieses Handeln Jesu schon eine Botschaft an uns sein sollte.
Jesus hat am Kreuz für uns Menschen gebetet und teilweise beten wir in unseren Fürbitten auch für andere Menschen, denen es viel schlechter geht als uns. Ich denke, dass man im Alltag sehr oft in Situationen kommt, in denen sich jemand schuldig oder strafbar macht. Denn die Fehler der anderen sieht man oft leichter als seine eigenen Fehler. Wenn ich einen Fehler mache und ihn mir eingestehe, bekomme ich immer ein schlechtes Gewissen und wenn einem dann verziehen wird, befreit das einen und man fühlt sich besser.

Teresa, 19: Es gibt keinen der noch nie Schuld hatte. Ich hab immer Schuld.
Gerechtigkeit gibt es nicht oder zumindest nicht überall.

Lisa, 16: Ich verstehe nicht, wieso Jesus allen Menschen alle Sünden, sowohl schwere als auch leichte vergibt. Wenn jemand ein Verbrechen begeht, finde ich, hat jeder Mensch eine zweite Chance verdient.
Man sollte jemandem, der eine Sünde begangen hat und nachdem er dafür bestraft wurde und er seine Tat bereut, eben seine zweite Chance geben; denn wenn man an der Stelle des Täters wäre, bittet man auch um Vergebung.
Vielleicht kommt die Vergebung erst langsam, doch man sollte es jeden Tag ein klein wenig mehr probieren. Nach einer Vergebung kann man mit dieser Person vielleicht einen Neuanfang versuchen.
Ich denke Jesus hat den Sündern vergeben, damit alle Menschen sehen, dass man vergeben kann und vergeben soll.

Ludwig, 18: Ist es gerecht einem Mörder zu vergeben? Ihn ins Gefängnis zu stecken?
Oder gar die Todesstrafe zu verlangen?

Joseph, 16: Gott vergibt in der Beichte die Schuld. Gott hat ein anderes Maß für Gerechtigkeit als Menschen. Andere Länder empfinden (Un-)Gerechtigkeit anders.
In östlichen Ländern sind Strafen oft gnadenlos.

Lea, 17: Gerechtigkeit kann man nicht definieren, denn Gerechtigkeit ist wie Freiheit, für jeden etwas anderes.

Denise, 17: Versöhnung, Schuld, Gerechtigkeit sind Begriffe, die ein jeder Mensch anders definiert. Einigen fällt es sehr leicht, Menschen zu verzeihen, andere wiederum tun sich dabei oft sehr schwer und fühlen sich sehr verletzt, wenn ihr Vertrauen, missbraucht wurde. Meiner Meinung nach sollte man Menschen eine zweite Chance geben, denn eine solche verdient ein jeder. Jesus sagte damals zu Petrus: „Nicht siebenmal sollst du verzeihen, sondern siebenmal siebzig Mal“.
Gerechtigkeit ist etwas, das in unserer Welt leider nicht überall existiert. Denkt man nur an die Länder der dritten Welt – wo Menschen bei miserablen Lebensbedingungen verarmt leben müssen. Oft ist uns nicht wirklich bewusst, in welchem Luxus wir leben. Wir leben doch eigentlich im Paradies und ich finde das sollten wir uns öfter bewusst machen. Da ist es doch eigentlich ziemlich idiotisch, sich wegen der fünf in Mathe so große Sorgen zu machen, oder?

Marina 16: Dass einer gnädig ist und jemanden vergibt, sieht man im Leben eigentlich täglich. Nach einem Streit zwischen Freunden vergibt man sich und verträgt sich.
Auch ich habe schon einmal jemandem vergeben, der mir sehr wehgetan hat. Ich finde Vergebung tut gut. Aber nur, wenn es sinnvoll ist, zu vergeben.
Denn, wenn der andere es nicht bereut, dann braucht man ihn gegenüber auch nicht gnädig sein. Man muss ja dann nicht unbedingt mit einem so umgehen, wie vorher, aber voller Hass zu sein, tut bestimmt nicht gut.
Um Vergebung bitten, heißt für mich nicht, dass man schwach und ein Feigling ist, sondern dass man Mut hat. Und man es auch erkennt, wenn man mal Blödsinn macht.

Johannes, 17: Ich denke Vergebung ist wichtig, denn wenn man einander nicht vergibt, baut sich irgendwann so viel Hass auf, so dass das Zusammenleben und die Gemeinschaft nur wenig Existenz haben. Einander zu vergeben heißt auch Stärke zu zeigen. Oft fällt es einem schwer dem anderen zu vergeben, da etwas Schlimmes passiert ist oder jemand innerlich schwer getroffen oder verletzt wurde.
Jesus will, dass Gott ihnen vergibt, weil sie im Unwissen sind.

Anna, 17: Ich denke es ist auch wichtig die Vergebung ernst zu meinen und nicht zu sagen: „Schon gut!“, wenn man eigentlich noch sauer auf den anderen ist.

Thomas, 17: Schuldig machen ist z.B. das Vertrauen eines Menschen brechen, so etwas sollte man nie machen.
Ich selbst bete manchmal für meine Familie oder Freundin. Beten ist sehr wichtig, finde ich, denn so kann man auch Gott erzählen, was man so von anderen denkt. Beim Beten kann man auch besser an den- oder diejenigen denken.

Stefan, 17: Meiner Meinung nach ist Vergebung eine der wichtigsten Dinge im Leben. Meine Eltern haben mir schon oft vergeben und auch ich vergebe zum Beispiel meinem Bruder immer wieder. Ohne Vergebung würde keine Gemeinschaft funktionieren. Wenn einem Jüngeren oder Unerfahreren keine Vergebung bei Fehlern gegeben wird, hat er auch keine Chance, seine Fehler wieder gut zu machen.
Außerdem wächst die Freundschaft oder der Zusammenhalt zwischen zwei Menschen immer, wenn der eine dem anderen vergibt.
Zwischen mir und meinem Bruder kommt zwar auch oft vor, dass er nachdem ich ihm vergeben habe, noch mal den gleichen „Fehler“ macht.
Aber ich werde ihm auch in Zukunft vergeben. Immerhin ist er mein Bruder und als Teil meiner Familie für mich das Wichtigste im Leben.
Aus demselben Grund, glaube ich, vergeben mir auch meine Eltern nach jedem „Fehler“, auch wenn sie oft ein bisschen sauer auf mich sind, so lieben sie mich trotzdem, egal was ich gemacht habe. Sie haben auch schon öfter für mich und meine Geschwister gebetet.

Station2: Paradies
"Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein." Lk 23, 43
Lebenthema: Lebensraum, alles wird gut, Verheißung - Paradies

Friederike,16: Ich denke, dass es nicht so etwas wie den Garten Eden gibt, aber das Leben wird schön im Himmel – nicht unbedingt schöner.

Martin, 18: Ein starker Glaube hilft dir weiter.

Thomas, 16: In dieser Textstelle kann man Jesus Güte erkennen, selbst in seiner schlimmsten Stunde, denn er vergibt einem verurteilten Verbrecher.
Ich kann mir das paradiesische Leben nicht vorstellen, da es alles sein kann.
Ich denke, das geht über die menschliche Vorstellungskraft hinaus und jeder hat eine eigene Vorstellung vom Paradies. Ich glaube, im Paradies gibt es nur Gutes, dass es dort keinen Rassismus oder ähnliches gibt und dass dort alle gleich sind. Ich hoffe auch, man trifft im Paradies alle Leute, die man gerne hat.
Ich denke auch, dass es auf der Erde kein „Paradies“ gibt, sondern dass man es nur im „Himmel“ finden kann.
Jesus verspricht dem Mann neben sich an dem Kreuz, dass er mit ihm zusammen ins Paradies kommt. Er gibt dem zu Tode Verurteilten eine Hoffnung. Das ist ein Zeichen, dass jeder die Chance auf das Paradies hat, selbst ein verurteilter Verbrecher und dass das Paradies auch für jeden offen ist und dass auch in der aussichtslosen Situation noch die Chance besteht, ins Paradies aufzufahren.

Anne, 17: Ich denke, jeder hat eine eigene individuelle Vorstellung vom „paradiesischen“ Leben nach dem Tod. Ich sehe das Paradies vor allem ohne jegliche irdischen Sorgen. Ohne Angst vor dem Versagen im Leben, ohne Angst sich selbst und andere Menschen zu enttäuschen, ohne materielle Sorgen. Mein Paradies ist erfüllt von Liebe und Gleichheit, keiner ist mehr wert als ein Anderer und alle respektieren das.
Allerdings sehe ich das Leben nach dem Tod nicht bildlich vor mir. Weder leben in meiner Vorstellung alle Verstorbenen in einem großen Schloss, noch hüpfen sie in weißen Gewändern von Wolke zu Wolke und sagen Gott jeden Tag „Guten Morgen“.
Ich glaube auch nicht daran, dass man nach dem Tod die Abenteuer, die man im Leben nicht erlebt hat nachholen kann. Aber vielleicht kann man versuchen, seine Fehler wieder gut zu machen. In meiner Vorstellung lebt man auch nicht mit den Menschen, die einem wichtig waren und schon verloren hat, glücklich zusammen. Einsam ist man deswegen nicht.
Mein Paradies ist kein Ort. Mein Paradies ist Erlösung.

Roland, 17: Ich denke, dass es ein Leben nach dem Tod gibt. In diesem Leben werden aber viele Dinge, die uns in unserem jetzigen, weltlichen Leben wichtig sind/waren, unwichtig sein: z.B. Macht, Geld, materielle Dinge allgemein. Vielmehr sind dann solche Dinge wie Gemeinschaft, Vertrauen, Verheißung... von Bedeutung.
Meine Vorstellung: Wenn man aus dem weltlichen Leben scheidet, kommt der Geist/ die Seele (also somit charakterliche Grundzüge und Einstellungen) in eine andere Sphäre.
Dort, denke ich, dass jeder alles hat und bekommt, was er braucht.
Es gibt keinen Zwang, etwas zu tun. Jeder ist dafür verantwortlich, was er selbst tun, besitzen, oder anziehen will.
Meine Vorstellung ist vielleicht vergleichbar mit den griechischen Göttern der Antike, die auf dem Olymp gelebt haben, um es etwas genauer auszudrücken.


Station 3: siehe!
"Frau, siehe, dein Sohn!" und: "Siehe, deine Mutter!" Joh 19,25-27
Lebensthema: Beziehung, Verantwortung, Familie, Füreinander da sein, Vertrautheit, Gemeinschaft, Liebe

Anne, 26: Gott ist nur Liebe.

Elisabeth, 16: Das Wort „Beziehung“ spielt in jedem Leben eine wichtige Rolle. Ob in der Natur oder beim Menschen. Die Beziehung zu den Eltern, zu Freunden, zu Lehrern, zur Natur oder zur Religion.
Aber jede Bindung basiert auf Vertrauen und Verantwortung, aus einer Ausgeglichenheit, aus Geben und Nehmen. Die stärkste und intensivste Beziehung ist die eines Kindes zu seiner Mutter (auch wenn man sich ihrer oft nicht bewusst ist).
Wenn Kinder ohne Eltern bzw. ohne ihre leiblichen Eltern aufwachsen, versuchen viele von ihnen, sie zu finden, weil diese Beziehung und wenn sie von noch so viel Enttäuschung geprägt ist, nie abreißt. Vielleicht will Jesus diese Mutterliebe an seinen Jünger – an uns- weitergeben, um uns zu sagen, dass keine Beziehung auf der Welt so groß ist, wie die Liebe von einer Mutter zu ihrem Kind.

Rebecca, 18: In der Liebe zu Gott ist Vertrautheit. Verlasse dich auf seine Liebe und dann wirst du Gemeinschaft finden.

Mathis, 17: Der Mensch ist ein soziales Wesen. Durch Beziehungen, Familien, ein Füreinander, Gemeinschaft und Liebe definiert sich ein Mensch. Er lebt in Gemeinschaften und Gruppen. Leuten ohne derartige Lebensbereiche wird der Lebensweg erschwert, wenn nicht sogar verwehrt. All diese sozialen Gruppierungen bieten Rückhalt und Stärke. Allerdings fordert eine solche Gruppe von einem selbst. Denn in einer Familie ist man selbst auch Rückhalt für andere Familienmitglieder. Dieses Phänomen kann einen Menschen überfordern und anstrengen. Er muss bereit dafür sein einiges geben zu können, um auch etwas zu nehmen.

Anna, 16: Das Wichtigste in einer Gemeinschaft, z.B. Familie, Beziehung... ist, dass aufeinander Verlass ist, dass man auch Verantwortung übernimmt.
Vertrauten ist das Wichtigste. Bevor eine Liebe (Beziehung) entstehen kann, muss diese Vertrautheit da sein. Ohne sie läuft nichts in einer Gemeinschaft, egal wie eng diese ist.

Caroline, 17: Nur in der Gemeinschaft kann ein Mensch glücklich werden.

Juliane, 17: Liebe heißt für mich gegenseitiger Respekt, Vertrauen und auch Verantwortung füreinander zu übernehmen. Die Verantwortung, die man füreinander hat, sollte – und darf – nicht einengen. Besonders innerhalb der Familie ist diese Liebe sehr wichtig, denn grade diese Verantwortung und das Füreinander-Dasein stärkt die Vertrautheit der Familie.

Sophia, 17: Es ist schwer, neu Menschen zu vertrauen, sie zu lieben, wenn man enttäuscht wurde. Es hält einen, wenn, man weiß, dass man fast immer vertrauen kann.

Franziska, 17: Jeder Mensch sollte seine Mitmenschen wie „Familienmitglieder“ betrachten. Denn alle sind Kinder Gottes und man kann jeden auf eine gewisse Weise lieben. Man kann Verantwortung für einen und Vertrauen zu einem Menschen herstellen, auch wenn er nicht das eigene Fleisch und Blut ist. Ich denke, dass Beziehungen zwischen zwei oder mehreren Personen entstehen können, denn, wenn man ein Kind adoptiert, übernimmt man Verantwortung. Man will eine Beziehung zu ihm aufbauen und das geht nur wenn Vertrauen herrscht.
Beziehungen geben einem im Leben Kraft, sich nicht alleine zu fühlen.
Ein Mensch, der an deiner Seite steht, ist für dich eine sehr wichtige Person, ein Ansprechpartner, eine Vertrauensperson. Man ist nicht alleine.
Doch damit eine Beziehung entsteht, muss der Wille nach Hilfe geben in schweren Zeiten und der Verzicht auf manche Dinge vorhanden sein, denn Verantwortung für jemanden zu übernehmen ist eine große Aufgabe.
Eine Mutter liebt ihr eigenes Kind genauso, wie ein Aufgenommenes, denn es ist ein Familienmitglied, für das sie Verantwortung hat: eine Beziehung mit Liebe, Hilfe für das Kind ohne Eltern, Hilfe in schweren Zeiten, ...
Der Jünger Johannes wurde von Maria aufgenommen, sie hat die Verantwortung übernommen auch in schweren Zeiten zu ihm zu stehen.


Benedikt, 18: Die Grundlage aller Beziehungen, seien sie freundschaftlich, partnerschaftlich oder familiär, ist in meinen Augen das Vertrauen. Vertrauen zu anderen Menschen ermöglicht es uns, uns zu öffnen, unsere Gedanken zu teilen und über Probleme zu diskutieren.
Dieses Vertrauen aufzubauen, bedarf jedoch einem sehr langen Prozess des Kennenlernens. In der Familie ist dieser Prozess automatisch vorhanden, man lebt mit seiner Familie, lernt seine Eltern, Großeltern, Onkeln und Tanten automatisch besser kennen und baut dadurch verschiedene Vertrauensebenen auf.
Es wird einem sozusagen eingeprägt, welcher Person man am liebsten an seinen Gedanken teilhaben lässt.
An freundschaftlichen Beziehungen muss man arbeiten. Genauso wie an partnerschaftlichen. Der Kontakt ist zwar vielleicht in der Schule, in der Arbeit gegeben, jedoch reicht das nicht aus. Um diese Beziehungen herzustellen, muss man arbeiten. Es reicht kein täglicher Smalltalk, um Verknüpfungen in diesem Bereich des Lebens herzustellen, die von Dauer sind. Man muss sich intensiver mit Leuten beschäftigen, die einem sympathisch sind. Man kann lediglich Vertrauen zu Personen aufbauen, die man schon länger kennt, bei denen man wirklich weiß, wie sie reagieren, wie sie denken und wie sie fühlen. Ist das alles gegeben, ist auch automatisch das Vertrauen da, das essentiell für Beziehungen ist.
Beziehungen sind etwas Schönes, sie bereichern das Leben .
Es ist etwas Schönes, sich nicht allein zu fühlen, jemanden bei sich zu wissen.


Station 4: verlassen
"Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?" Mk 15,34/
Lebensthema: Zweifel, Angst, Einsamkeit, Vorwurf, perspektivlos, im Stich gelassen werden, Gott-los, Klage

Florian, 17: In meinem Leben bin ich schon oft an den Punkt gekommen „(...)warum hast du mich verlassen“. Meistens zweifelte ich aber nicht an Gott, sondern an mir selbst.
Oft gibt es Momente, an denen ich mir wünschte ich wäre ein anderer Mensch. Jener, der besser aussieht, jener der intelligenter ist, oder jener der viele gute Freunde hat.
Wie oft falle ich auf die Fresse, wie oft bekomme ich zu hören „hey du, ich mag dich sehr, bist echt ein guter Freund, aber mehr ist da nicht...“ Was soll ich mir denn denken, wenn sich eine Freundin nach zwei Wochen einen anderen sucht? Gott, warum....?
Zweifel ist immer mit Angst verbunden.
Oft denke ich mir „...o Mann, die (Frau) wäre echt was...“, aber gleich danach kommt mir der Gedanke, warum soll sie denn mich nehmen, wenn sie einen viel Hübscheren auch nehmen kann.
Gottverlassenheit...das ist sicher nicht der Grund, warum mein Selbstbewusstsein so mies ist. Denn, wenn ich nicht meine Freunde hätte, würde ich nie wieder aufstehen, nachdem ich am Boden liege. Ich glaube, dass Gott seine Finger im Spiel hat, wenn mich meine Freunde aufbauen.
Es geht nicht darum, wie oft ich hinfalle! Sondern, dass man einmal mehr aufsteht! Wer nicht wagt, der nie gewinnt. Bestes Beispiel dafür ist da Jesus. Erst hat er an Gott gezweifelt, hat dennoch weiter gemacht, hat gekämpft und hat letztendlich sogar den Tod besiegt.

Lea, 17: Es ist krass zu sehen wie viele Menschen mitten unter anderen allein sind.
„Die Einsamkeit, ist die Armut des Westens“ (Mutter Teresa).

Raphaela, 19: Wenn Zweifel und Angst mich einnehmen, fühle ich mich alleingelassen – von Freunden, Bekannten und manchmal auch von Gott.
Hört er überhaupt meine Klage? Hilft er mir auch in dieser schweren Situation?
„Vater, Vater, warum hast du mich verlassen?“
Manchmal erkenne ich erst später, dass Gott mir immer beisteht und mich trägt.
Herr schenke mir diese Erkenntnis.

Franz, 18: Gottlos – Zunahme des aggressiven Atheismus als Herausforderung für junge Gläubige. Zweifel ist unverzichtbarer Glaubensbestandteil.

Thomas, 17: Ich finde im Leben eines jeden Menschen gibt es solche Momente, in denen man glaubt, verlassen und alleine zu sein. Daher ist dieser Ausruf „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ sogar nur ein weiterer Beweis für die menschennahe Gegenwart von Gott. Jesus hat in seinen letzten Minuten nur menschlich gehandelt indem er zweifelt, Angst hat und sich verlassen fühlt.
Jedoch hat Jesus trotz dieser Todesangst auch Hoffnung. Hoffnung doch den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. Es gibt im Leben immer Momente, die einen weit zurückwerfen und mutlos, ängstlich und zweifelnd machen. Aber mag die Situation noch so schlimm und ausweglos erscheinen, man wird immer einen sicheren Rückhalt finden; entweder bei Freunden, Bekannten, Familie, aber auch bei Gott.
Glaube ist mit Zweifel und Unsicherheiten verbunden, aber genau das macht diese Spiritualität aus; Kein Glaube ohne Zweifel.

Judith, 18: Wenn ich allein bin und im Stich gelassen wurde oder Angst vor etwas habe, dann zweifle ich noch mehr an mir als so schon.

Willi, 20: Oft steht man im Leben an einer Stelle, wo man nicht weiter weiß. Man versucht alles Mögliche, doch man findet keinen Ausweg. Erst als letzte Zuflucht sucht man seinen Glauben und vor Verzweiflung ruft man „Ach Gott!“ oder „Mein Gott!“.
Doch, wo ist Gott, wenn man ihn braucht?
Und warum gibt es dann trotzdem so viel Leid wie Naturkatastrophen, Krieg oder Krankheiten? Gott wird erwidern: „An den Stellen, wo du krank, traurig oder in Schwierigkeiten warst, habe ich dich getragen!“ So ging es letztendlich auch Jesus, der von den Qualen erlöst wurde und durch die Auferstehung von den Toten im Himmel ist.
Deshalb sollten wir nicht an Gott und unseren Glauben zweifeln.

Caroline, 17: An Gott zu glauben, bedeutet immer einen Ansprechpartner zu haben.

Michael, 17: Im Leben komme ich oft an einen Punkt, an dem ich zu zweifeln beginne, ob es einen Gott überhaupt gibt. Ich denke, dass viele oder fast die meisten Leute schon einmal an einen solchen Punkt gelangt sind, wenn man sich einfach von allen verlassen fühlt. Aber im ersten Moment denkt man immer erst, warum Gott einen im Stich gelassen hat und man denkt nicht über sich selbst nach, ob man irgendetwas falsch gemacht hat. Manche Menschen suchen die Fehler immer erst bei anderen und nicht bei sich selbst.
Auch Jesus beginnt am Kreuz an Gott zu zweifeln. Daraus kann man erkennen, dass jeder Mensch seine Zweifel hat und misstrauisch ist. Es gibt viele beispielhafte Situationen, in denen man sich verlassen fühlt und keinen Halt mehr findet. Ich denke, dass man nicht immer gleich an Gott zweifeln, sondern erst über sich selbst und seine Fehler nachdenken soll.


Station 5: mich dürstet
"Mich dürstet." Joh 19, 28
Lebensthema: Durst, Not, Trockenheit, Bedürfnis, Bitte, Lebensdurst


Jonas, 17: Durst nach Leben bedeutet in meinen Augen, dass etwas im Leben fehlt und man darauf drängt, den Durst zu stillen, sei es mit Freude, Glück, Freiheit usw. Man pocht darauf die Bedürfnisse zu stillen. Hat man „Durst nach Leben“, lebt man noch nicht oder nicht gut. Lebt man nicht so, wie man es sich vorstellt, so hat das Leben keinen großen Sinn. Manche Leute z.B. haben „Durst nach Leben“, weil sie keine Freunde und Familie haben, sie sind dann meist unglücklich. Selbst wenn man im Sterben liegt, begleitet einen der Durst.

Judith, 18: Bilder der Armut stellen meist Menschen dar, die ohne Wasser existieren müssen. Kinder mit Durst oder Hunger. Die hungern womöglich auch nach einem besseren Leben.

Clemens, 17: Ich denke, es gibt im Leben immer wieder Durst- bzw. Notstrecken, in denen man einfach ausgelaugt ist und vorerst genug vom Leben hat. Ich denke aber auch, dass solche Abschnitte nicht einfach sind, sondern stark machen und somit vor Verzweiflung bewahren.

Franziska, 17: Jeder Mensch hat Durst nach Leben. Jeder Mensch braucht Luft zum Atmen, Nahrung, Freude am Leben, Hoffnung, Liebe, Freunde und Familie, usw.
Egal wo auf dieser Welt – jeder Mensch hat Durst nach Leben, das Verlangen, seine Bedürfnisse zu stillen. Und dieser Durst verfolgt einen sein Leben lang. Oft wird er bestimmt leichter, manchmal scheint er aber auch unstillbar zu sein. Und er ist bei jeden Menschen anders sein.

Lorenz, 17: Durst begleitet uns das ganze Leben lang. Der Mensch dürstet auch nach Dingen, die nicht nur das Überleben des Leibes sichern, sondern auch nach Dingen, die andere Bedürfnisse befriedigen, wie z.B. Geborgenheit, Liebe und Freundschaft. Selbst in der schwierigsten Situation des Lebens besteht dieser Durst, auch in den Momenten bevor man stirbt.

Julia, 18: „Durst nach Leben“ist ein Bedürfnis, das oft schwer zu stillen ist. Denn man muss sich seine Gedanken über das Leben machen, was man sich von ihm erwartet. Es ist oft sehr schwer, sich darüber im Klaren zu werden.
Oft ist einem das eigene Leben zu langweilig und man will was Neues, Aufregendes erleben, um dem Alltagstrott zu entkommen. Dies endet nicht allzu oft in waghalsigen Aktionen wie Bungee-Jumping oder man verlässt seine Familie, um ein neues Leben zu beginnen. Seinen Durst mit einer extremen und heiklen Situation zu stillen, kann manchen beflügeln. Man fühlt sich frisch und frei, wenn man sich dazu überwunden hat, aus einem Flugzeug zu springen, um danach mit einem Fallschirm wieder sicher auf der Erde zu landen. So eine Erfahrung kann einem neue Kraft für schwierige Situationen im Alltag geben, um diese so besser zu meistern.
Doch wenn der „Durst nach Leben“ so groß ist, dass man mit der Entscheidung nach Veränderung Menschen verletzt, sollte man sich wohl überlegen, worauf es im Leben ankommt. Ob es immer das Richtige ist, seinem Egoismus zu folgen. Denn diese Veränderung kann man anfangs vielleicht noch als richtig empfinden, doch ob man weit genug gedacht hat, stellt sich erst nach einiger Zeit raus.
Man muss sich doch immer darüber bewusst sein, wie wertvoll das Leben ist.
Der „Durst nach Leben“ wird nie erlöschen. Versucht euren Gefühlen und Gedanken zu folgen und das Beste aus eurem Leben zu machen. Aber die eigene Umwelt sollte dabei nicht vernachlässigt werden. Denn die Gemeinschaft einer Familie oder mit den Freunden, die Liebe die man dort erfährt, stillt oft mehr Durst als Alleingänge ins Ungewisse.



Station 6: vollbracht
"Es ist vollbracht.“ Joh 19,30
Lebensthema: Vollendung, Tod, Sieg, Erschöpfung, Erlösung, Finale, Konsequenz, „Ich hab´s geschafft“


Constantin, 20: Kämpfen, um zum Sieg zu kommen. Schaffen, um etwas zu vollenden.

Micha, 16: Man sollte konsequent seinen Weg gehen, eigene Meinung haben und selber entscheiden, was gut und was schlecht ist. Wenn man seinen eigenen Weg gehen will, muss man auch dazu stehen und sich nicht verstecken oder sich verstellen, wenn es ernst wird. Ich bin der Meinung, dass, wenn man sein eigenes Ding macht, nur gewinnen kann.
Das soll nicht heißen, dass man andere Menschen oder andere Perspektiven nicht respektiert, sondern dass man einfach selber am besten weiß, was für einen das Beste ist. Am Beispiel Jesus kann man sehen, dass er seinem Weg immer treu geblieben ist und so unglaublich viel geschafft hat. Er musste in seinem Leben sehr viel Leid ertragen und ist trotzdem treu geblieben. Ich denke, egal wie tief man fällt, sollte man wieder aufstehen und weiter machen. Es gibt viele Menschen, die im Leben Leid erfahren mussten, sehr großes sogar. Manche werden sich von Gott ab, hören auf zu glauben. Aber das Beispiel Jesus soll uns zeigen, dass es gut ist, seinen Weg weiter zu gehen, egal was passiert.
Man soll sich selber treu bleiben bis zum Schluss!
So kommt man zur Vollendung.

Judith, 18: Für mache scheint der Tod ein Sieg zu sein. Manche kranke Menschen sagen: „Bald hab ich es geschafft!“ Für die, die hier auf Erden bleiben müssen, sehen dies sicher nicht so.

Viktoria, 18: Konsequenz bedeutet für mich, durchzuhalten bis zum Schluss, nicht aufzugeben, egal was passiert. Manchmal ist man im Leben an einem Punkt, an dem man nicht mehr weiter weiß, man ist kraftlos, am Boden zerstört oder perspektivlos. Es ist menschlich, an solchen Stellen nahezu aufzugeben. Doch dann gibt es wieder Menschen – oder andere Lebensinhalte – , die einen wieder aufbauen; Menschen, die es wert sind, dass man weiterlebt und nicht aufgibt. Sie richten einen wieder auf und motivieren zur Konsequenz, zur Konsequenz bis zum Ende.

Manuel, 16: Meiner Meinung nach ist es gut konsequent zu sein, man soll immer seine Meinung vertreten und sich von anderen nicht unterdrücken lassen. Man soll sich auch von keinem in seine Meinung hineinreden lassen oder sie ändern, wenn jemand etwas anderes behauptet. Es ist auch z.B. im Sport oder in der Schule sehr wichtig bis zum Ende konsequent zu sein und für sein Ziel zu kämpfen. Ich finde gut, dass Jesus sein Ziel bis zum Tod am Kreuz permanent verfolgt hat und sich von dem Römern nicht in das Gewissen reden hat lassen und sich von ihnen nichts gefallen lassen hat.

Ulrich, 17: Wenn man konsequent ist, ist dies oft sehr hilfreich, wenn man zum Beispiel seine Aufgabe erfüllen oder seinen Willen durchsetzen will. Dabei kann es aber auch vorkommen, dass man so sehr von seiner Meinung überzeugt ist, dass man nicht mehr auf seine Freunde oder seine Familie hört, die vielleicht wissen, dass man sich geradewegs ins Verderben stürzt. Die Entscheidung, ob Sieg oder Verderben fällt meist erst sehr spät, so dass man, wenn man direkt auf das Scheitern zusteuert, meist nicht mehr zurück kann.
Aber ich denke, dass man auch in so einem Fall seiner Meinung treu bleiben und die Konsequenzen auf sich nehmen soll, denn solche Erfahrungen prägen einen für´s Leben und helfen dabei, sich selbst zu finden und seine Träume zu verwirklichen.



Station 7: in deine Hände
"Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist." Lk 23, 44-46/
Lebensthema: Heimat, Vertrauen, Loslassen, Tod – Sterben, zu Ruhe kommen, ankommen

Caroline, 17: Gott bedeutet Heimat.

Michael, 17: Dieser Satz zeigt, dass Jesus dem Herrn sehr vertraut und ihm blind folgt. Ich finde, das kann man nur sagen, wenn ich mich von einem angenommen fühle. Dieser Person würde ich überall hin folgen. Es ist auch ein Zeichen einer Liebe dem anderen gegenüber, denn man zeigt so, dass man bei ihm zuhause ist, den Partner respektiert, ihm voll vertraut und alles für ihn tun würde (sogar sterben).
Das kann nur aus Liebe und Geborgenheit erwachsen. Man hat gesehen, dass Jesus sich bei seinem Vater daheim gefühlt hat, deshalb hatte er auch keine Zweifel und ist ihm blind gefolgt.

Johannes, 17: Jesus spricht damit seine Liebe zu Gott aus, wenn er ihm den eigenen Geist übergibt. Man kann es auch als Vergleich zwischen dem normalen Leben und dem religiösen Leben sehen. Denn die Geborgenheit und Freude, die man zu Hause hat, sollte genauso in der Religion sein. Ein Zufluchtsort wenn man Probleme oder Sorgen hat.
Die Religion ist also der sinnliche Teil der Heimat und die zweite Heimat im realen Leben.

Eva-Maria, 21: Vertrauen zu fassen verlangt viel von einem Menschen. Es kann sehr schwer sein und lange dauern. Auch das Loslassen kann für Menschen schwer sein. Wenn der Partner stirbt, oder sogar ein eigenes Kind, sei es durch Krankheit oder durch einen Unfall. Für die Personen, die nahe standen, ist es schwer Abschied zu nehmen.
Der Glaube kann einem oft helfen. Etwas in dem man Ruhe findet, zu sich selber. In etwas, wo man bildlich gesprochen, verwurzelt ist. Heimat kann auch ein bestimmter Platz sein, an dem man sich geborgen fühlt. Wo man sich wohl fühlt.
Meiner Meinung nach braucht jeder Mensch um glücklich zu sein, einen Glauben.

Arnold, 17: Es ist wichtig an etwas zu glauben, da es ohne Glauben kein Hoffen gibt und ohne Hoffnung ist alles verloren. Ich selbst bin zwar nicht der gläubigste Mensch, aber hin und wieder tut es gut, mit Gott über seine Probleme zu reden und sich frei machen von allen Sorgen, selbst wenn es nur für den kurzen Moment des Gebets ist.
Vor allem die Ruhe miteinander, das gemeinsame Arbeiten und Essen hier (in Taizé) hat den Glauben zu einer Art „Heimat“ gemacht. Gott ist immer da und er wird immer da sein, um sich deine Probleme anzuhören.

Andreas, 18: Wenn Jesus sagt „Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist“, so ist er sich seiner Heimat genau bewusst. Er weiß, er gehört zu Gott und Gott zu ihm. Er betet ausdrücklich zu seinem Vater. In unserem Leben sind es die Eltern, die immer für uns da sind. Auch wenn es oft schwierige Situationen im Umgang mit ihnen gibt, so bleibt doch ein Urvertrauen, das nie verloren geht. Und dieses Vertrauen dürfen wir auch zu Gott haben. Er hält zu uns, wie ein Vater oder eine Mutter.
Gleichzeitig klingt in seinen Worten auch eine Ohnmacht und Hilflosigkeit an. Jesus leidet, er stirbt. In dieser Situation besinnt er sich auf das, was ihm noch bleibt: Gott, seine Zuflucht und Heimat. In unserem Leben ist diese Zufluchtstätte nicht selten die Familie, Freunde oder oft auch die Kirche. Wenn wir in schwierigen Situationen sind, suchen wir Rat, Hilfe oder einfach jemanden, der uns zuhört. Allein das Gefühl, dass da jemand ist, der sich Zeit für einen nimmt genügt oft, um die Probleme zu bewältigen. Für Jesus ist klar, dass Gott dieser jemand ist, der sich Zeit für ihn nimmt. Gott nimmt sich für jeden Menschen Zeit, darauf vertrauen auch wir.