Brief 05- mich dürstet

Brief 05- mich dürstet

Jonas, 17 und Franziska, 17, schreiben:
„Hat man Durst nach Leben, lebt man noch nicht oder nicht so gut. So wichtig, wie Wasser ist, so wichtig ist auch das eigentliche Leben. Und dieser Durst nach Leben verfolgt einen sein Leben lang“.


Lieber Jonas, liebe Franziska, eure Sehnsucht nach dem eigentlichen Leben können wir nur teilen. Es gibt einen Durst, den kein Wasser der Welt löschen kann. Jesus braucht dringend Wasser für seinen misshandelten Körper, aber mehr noch ruft er nach der Nähe seines liebenden Vaters, die allein sein Verlangen stillen kann. Es geht einem sehr nahe, wenn man so hautnah erfährt, dass Christus die schlimmsten Bedingungen auf der Erde mit uns geteilt hat und dass aus seinem Mund Worte kamen, die wir selbst auf den Lippen haben, wenn sich ein Leid in uns hinein brennt, uns eine schmerzliche Erfahrung die Kehle austrocknet. Jesus Christus ist diesem Durst treu geblieben, er hat ihn bis zum Ende durchgetragen und ihn nicht überspielt. Er hat seine Erfüllung nicht anderswo gesucht, weder im Beifall der Leute noch in einem engen Kreis Gleichgesinnter noch in einer Machtstellung. Dies alles hätte ihn davor bewahren können, seinen Durst am Kreuz hinausschreien zu müssen. Er hat es nicht gewollt, weil er den Willen seines Vaters erfüllen und uns einen Vorgeschmack des ewigen, des eigentlichen Lebens bringen wollte. Wir können etwas von diesem Leben ergreifen, in den Griff bekommen können wir es auf der Erde nicht. Aber wir können einander im Durst nach diesem Leben wieder erkennen, und das geschieht wohl vielen Jugendlichen auf unserem Hügel von Taizé und auch uns Brüdern.
Mit euch darin tief verbunden, Frère Timothee und Frère Wolfgang