Gut Ding will Weile haben

Ein neuer Kreuzweg für St. Bruno

Wer Pastor Schmidt in St. Bruno Unterrath kennen lernt, ahnt rasch, dass in dieser Pfarrei nicht alles so ganz konventionell zugeht. Dahinter steckt sein Bedürfnis, den heute üblichen Spagat zwischen Alltag auf der einen Seite und Glaube auf der anderen zu überwinden und wieder neu und fest miteinander zu verweben. Glaube muss im Alltag seinen Ausdruck finden, und in der Liturgie gefeiert werden. So wundert es niemanden, dass er sich für die Umgestaltung der Kirche – in ausführlichem Austausch mit Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand – satte 10 Jahre Zeit nahm.

Es wurde nicht geflickt und getüncht, sondern nachgedacht, diskutiert, es wurden Konzepte entwickelt und gesichtet, wie die Gemeinde Glauben leben wollte. 1999/ 2000 schritt man zur Tat. Am Ende konnte die Gemeinde eine neue, helle, freundliche und ansprechende Kirche mit Leben füllen – es wurde eine Wegekirche, die viel Raum lässt für Miteinander und Begegnung und dafür, Gott im Wort, am Tisch der Gemeinschaft in der Eucharistie oder in den Sakramenten zu begegnen. Eine Kirche in der Gesten noch als solche verstehbar sind, wenn beispielsweise die Taufe sich nicht auf ein paar schnell abzutupfende Tropfen beschränkt, sondern ein völliges Untertauchen in einem Wasserbecken den Symbolgehalt zur Entfaltung bringt. Eine Kirche, in der sich das „wandernde Gottesvolk“ auch als solches erfährt, Aufbruch auch tatsächlich Aufstehen und Umhergehen bedeutet, und der Glaubensweg auch ein solcher ist, ganz einfach weil Raum für Prozessionen da ist. Darin spiegelt sich auch die Vorstellung, dass Gemeinde immer auf dem Weg ist, Jesus folgend. Er geht voraus, er führt, er leitet.

Allein diese Umgestaltung wäre schon einen Besuch an der vielbefahrenen, wenig einladenden Kalkumer Straße wert, gäbe es da nicht noch den herausragenden Kreuzweg. Der Umgestaltung von St. Bruno fielen auch die bis dato vorhandenen 14 Kreuzwegtafeln zum Opfer, mit dem Ziel, bis zum Weltjugendtag 2005 in Köln einen neuen, künstlerisch ansprechenden und wertvollen Kreuzweg zu erwerben. In Anlehnung an die Siebenzahl der Stationen bei den Jugendkreuzwegen (im Jahr 2007 erschien der 50.) sollte, zuerst eigentlich aus Platzgründen, ein Fries die Leidensgeschichte Jesu widerspiegeln. Hier gab es klare Vorstellungen, wurzelnd in den biblischen Berichten der Evangelien: er sollte mit dem Abendmahl beginnen und in der Auferstehung enden. Schon bald aber wurde klar: ein Fries ist überhaupt die einzig mögliche Ausdrucksform, um die Eile der biblischen Erzählung, ihre Vielschichtigkeit, die rasche Abfolge der Ereignisse und ihre Gleichzeitigkeit, die Dramatik, die Dynamik und die Zuspitzungen auszudrücken. Das schaffen einzelne abgegrenzte Tafeln nicht.

Mit der niederländischen Künstlerin Cynthia Tokaya, im Pfarrgebiet ansässig, fand die Gemeinde 2004 die passende Künstlerin für ihr Vorhaben. Eine Frau, die selber auf einem Glaubensweg ist, die sich mit der Gemeinde auf einen langen Weg einzulassen gewillt war, und sich auch auf deren sehr konkrete theologische wie gestalterische Vorgaben einließ. Als zum Weltjugendtag der Fries auf Leinwänden ganz frisch die ihm zugedachte Wand bezog, löste es in der Gemeinde, wie unter den Jugendtagsteilnehmerinnen und Teilnehmern, viel Staunen aus.

Oft, so berichtet Pastor Schmidt, fand er dort abends noch junge Menschen im Gebet versunken. Eine niederländische Zeitung beschrieb dieses Werk als „ großes Suchbild; so vielschichtig wie die Bibel selbst“. „Mein Wunsch an die Beter des Jugendkreuzweges:“, so Pastor Schmidt, „sie sollen spüren, dass Glaube ein ganz quicklebendiger Prozess ist. Er erfordert täglich eine neue Auseinandersetzung! Er ist nie fertig, aber es gibt garantiert immer was neues Tolles zu entdecken! Wie in unserem Kreuzwegfries.“