Interview mit der Künstlerin

Frohe Farben für die frohe Botschaft

Ein Interview mit der Künstlerin

„Ich entdecke selber immer wieder was Neues in den Bildern“, berichtet Pastor Schmidt, Pfarrer in der Kirchengemeinde St. Bruno, über den Kreuzweg. Und er beobachtet, dass die farbenfrohen und ineinander greifenden Bilder viele förmlich ins Gebet oder in die Betrachtung hineinziehen – die jungen Gäste zum Weltjugendtag in Köln, die in Unterrath wohnten, erlebten den Kreuzweg neu, sowie die Menschen aus der Gemeinde heute. Eine niederländische Zeitung beschrieb dieses Werk als „großes Suchbild; so vielschichtig wie die Bibel selbst“.

Durch die Maltechnik schieben sich die Motive über- und nebeneinander und es ist unmöglich beimersten Durchgang alles wahrnehmen zu können. Wir fragen die Künstlerin zu ihrem Werk

Frage: Klassischerweise kennt man eher Kreuzwegstationen als Tafeln, die entlang der Seitenschiffe aufgereiht sind oder im Freien stehen. Sie wählten eine ganz andere Form. Ihre Kreuzwegdarstellung kommt als Fries daher. Das ist doch recht ungewöhnlich – wie kamen sie zu dieser Darstellungsweise?

CT: Diese Idee stammt gar nicht mal von mir. Aber sie ist genial. Von Pastor Schmidt und der Pfarrei bekam ich ein klares Konzept und etliche Vorgaben, welche Elemente dargestellt werden sollten. In der Gemeinde war schon viel Auseinandersetzung und Denkarbeit geleistet worden, bevor ich hinzugezogen wurde. Aber die Umsetzung lag bei mir. Ich war nur ein Instrument für das Gewachsene und brachte das ins Bild, was in den Herzen der Menschen von St. Bruno schon geworden war.

Frage: Wie geht man an so eine Umsetzung?

CT: Mit Kopf, Herz und einer gesunden Portion Demut. Neben der Bibel habe ich in diesen Monaten auch in viel Religionswissenschaftlichem geschmökert. Vor allem war mir die „Evolutionsgeschichte“ des Christentums ganz wichtig. Ich wollte was erfahren über unsere christlichen Wurzeln, über das Judentum und noch frühere Religionsgeschichte. Wenn ich den Kreuzweg darstellen sollte, musste mir viel klarer werden, was wir eigentlich glauben!

Frage: Was ist für Sie die Frucht aus diesen „Studien“?

CT: Das Ganze hat mich sehr im Glauben gestärkt: ich will ja nicht blind irgendwas glauben, wasmir vorgegeben wird, sondern ich will die Zusammenhänge und Mystik begreifen. Das Christentum hat eine Genese durchlebt und ist gewachsen, hat sich in der Geschichte und mit der Geschichte verändert. Bei den Studien kommt für mich im Kopf das zusammen, was das Herz schon ahnt. Es wird schlüssig. Deshalb gehören
zum Glauben sowohl der Verstand, wie auch das Herz. Man sagt: Glauben ist in erster Linie eine Beziehungssache. Glaube lebt aus einer Christusbeziehung. Hat dieser Prozess Ihre Beziehung zu Christus beeinflusst?

Mir wurden durch diese geschichtlichen Zusammenhänge seine Menschlichkeit und seine Mission nochmal viel deutlicher. Und noch etwas. Wenn er in der Geschichte gewirkt hat, in seiner Zeit, gegen den konkreten Widerstand von Menschen, dann zeigt mir das einmal mehr seinen Mut; den Mut, die Liebe zu verkünden und auch zu leben.

Frage: Ist das für Sie der Kern der christlichen Botschaft?

CT: Ja. Die Liebe ist der Kern der christlichen Botschaft. Christus hat die Liebe auf den Punkt gebracht. Er hat den Menschen die Furcht vor Gott genommen, zumindest wollte er das. Er hat ihnen gezeigt, dass Gott nicht nur „ein fernes Oberwesen“ ist, der vergelten will und zornig ist, sondern dass Er die Menschen liebt. Jesus hat den Weg „wieder frei gemacht“, dass wir uns Gott wieder mit Vertrauen zuwenden können.

Frage: Jesus also als Brücke zu Gott?

CT: Jesus gibtmir das Beispiel, dass ich bei Gott geborgen sein kann. Durch ihn wird die Kraft Gottes sichtbar in seinem Auftreten und Wirken. Er zeigt wie man eine Verbindung zu Gott aufbauen kann und hat auch mir somit einen Weg bereitet: Gebet, Meditation, Verzeihen – das ist ganz wichtig – Nächstenliebe. So ein Beispiel finde ich anderen Religionen nicht.

Frage: Von ihnen stammt der Satz: Mein Kreuzweg soll die frohe Botschaft verkünden. Daher auch die prallen Farben. Können Sie das bitte noch ein wenig erläutern?

Kreuzweg ist frohe Botschaft: Ich wollte keine Angst mit meinen Bildern verbreiten. Angst ist ein schlechtes Machtmittel. Ich habe oft als Kind dunkle und düstere Kreuzwegdarstellungen erlebt. In denen fehlte mir der Sinn und damit die froh machende Botschaft. Die Botschaft eines Kreuzwegs ist ja nicht, Leid zu verkünden und dass es etwa sinnvoll wäre zu leiden. Das wäre ja gruselig. Sondern die Leidensgeschichte ist für mich vielmehr Trägerin für eine tiefere und frohe Botschaft. Und die lautet erstmal: es geht weiter! Der Tod ist besiegt. Es gibt ein Zuhause für mich und dich. Das ist so eine Erkenntnis, die auch nicht von Anfang an für mich da war, sondern beim Malen dazu gewachsen ist.

Frage: Daher diese faszinierende Farbexplosion?

CT: Mir war es wichtig die wunderschöne christliche Mystik den Oberton spielen zu lassen. Wenn die „Frequenzeinstellung“ des Betrachters stimmt, dann kommt, das wünsche ich mir, etwas von der Frohen Botschaft in Regenbogenfarben an.

Frage: Irgendwann war ihr Fries fertig. Kann man das so sagen – gelangt ein solches Werk jemals an ein Ende?

CT: Nein. Natürlich nicht. Die Bilder sind ja nur Ausdruck für einen inneren Weg. Für mich war und ist es wichtig, dass dieser Kreuzweg mehr ist als nur ein farblicher Akzent in dieser bemerkenswerten Kirche. Inhalt und Aussage dieses Werkes liegen mir sehr amHerzen. Bei der Vollendung des
Kreuzweges habe ich noch nicht geahnt, dass diese Arbeit weitergehen würde. Manchmal wirft ein Werk viele Fragen auf, wobei sich der Künstler auch seiner Verantwortung bewusst wird. Das wurde mir durch Fragen und Erläuterungen während der Kreuzweg-Führungen klar. Im letzten Jahr habe ich ungefähr 10 Führungen angeboten. Ich habe das gerne gemacht und muss gestehen: Die vielen positiven Reaktionen haben mir auch gut getan. Ich hatte manchmal das Gefühl, mit den Interessierten zusammen auf Entdeckungsreise zu sein. Gerade dann, wenn ich aufmerksam gemacht wurde auf Details und auch Interpretationen, die ich so noch nicht gesehen hatte. In diesem Sinne wirkt dieser Kreuzweg tatsächlich wie ein großes Suchbild.

Bald werden tausende junger Menschen Ihre Bilder betrachten, interpretieren, sich mit ihnen auseinandersetzen, wenn sie den Kreuzweg der Jugend 2009 beten.Was wünschen Sie diesen Beterinnen und Betern?

Ich wünsche ihnen vor allem Freude. Und dass sie Vertrauen zu Gott gewinnen – dass sie über den Weg, den Jesus gezeigt hat, zu Gott finden. Ich bin mir sicher, dass es gut ist, den Kreuzweg einfach kennen zu lernen. Darumzu wissen. Es kommen Zeitpunkte im Leben, da stehen wir vor vielen Fragen. Und wenn wir dann um diesen Weg Jesu wissen, uns vielleicht an diese Bilder erinnern, können sich da Brücken auftun. Und ich füge noch das Zitat eines Theologen, mit dem ich mich sehr beschäftigt habe, hinzu: Des Menschen Herz vermag sich wunderbar zu weiten.Wenn es liebt, dann sprengt es, in einem crescendo der Liebe, alle Fesseln